Ich staunte nicht schlecht, als ich beim Surfen in der unendlichen Informations-Überladung des WWW auf eine Metal-Band aus Kirgisien gestolpert bin. Genau: Kirgisien, ein kleines Land, das hauptsächlich von Agrarwirtschaft lebt und ohne den großen Nachbarn Rußland bettelarm wäre. Zwar ist noch ein großer Teil der Bevölkerung von russischer Abstammung, doch sind die Wurzeln des Islam und seiner Religion allgegenwärtig. Eigentlich die idealen Voraussetzungen, daß es keinen Metal gibt. Um so erstaunlicher ist es, daß Neocrima mit „Indifference’s Deadly“ ein beachtliches Werk erschaffen haben. Die Kirgisen spielen melodischen „Power Death Metal“ mit derb aggressiven Vocals. Dabei fängt mit dem instrumentalen Opener „The Keys“ alles noch sehr gemächlich an. Und doch wird die Begabung des Quartetts für griffige Melodien schon deutlich. Oftmals sind Instrumentals nur Lückenfüller und dienen der Selbstprofilierung der Instrumentalisten. Doch hier wird auf genialste Weise mit einer superben Melodie ein Spannungsbogen aufgebaut, ehe mit „Spiteful Land“ ein hochmelodischer, harter Stampfer vom Stapel gelassen wird. Gitarrist Sarnogoev versteht durch sein Spiel den roten Faden durch den Track zu legen und nicht in sinnloses Gebolze ausarten zu lassen. Das Tüpfelchen auf dem i sind die heißeren, voller Wut geschrienen Vocals von Andrey Romanov. „Dreamwave“ beginnt – wie der Name sagt – langsam. Ein leises Stück mit weiblich Vocals (erinnert mich an Cranberries) , das plötzlich in einen wütenden Mid-Tempo Banger mündet, um dann wieder in die leisen Töne zu verfallen. Kontraste die nicht aufgesetzt sind und ihre volle Wirkung entfalten. Auch das vierte Stück „Breath No More“ wartet mit ungewöhnlichen Elementen auf: gesprochene Parts, klassische Metal-Harmonien (Arija’s Einfluß ???) spielen sich mit typischen Death-Elementen gekonnt die Bälle zu. „The Way Of The Crescent“ zelebriert zum Abschluß der Mini-CD die Fähigkeiten der Band: langsame Melodien, aggressive Parts, die weibliche Stimme.....
Vielleicht liegt es ja an den Bandnamen, aber neben NEOtruth haben mich auch NEOcrima voll in den Bann gezogen. Ich würde mich freuen, mehr von dieser Band zu hören. Und wenn man bedenkt, in welchem schwierigen Umfeld diese vier Musik machen, bleibt mir nichts anderes übrig als 9 Punkte zu vergeben. Über E-Mail könnt Ihr mit den Kirgisen in Kontakt treten und mit viel Überzeugungskraft bekommt Ihr auch das Paßwort, um Euch die komplette Mini-CD als mp3 von der Website zu ziehen. Selbst wer nur ein altes Analog-Modem hat, sollte die Scheibe auf jeden Fall antesten.
Die Band:
Emil Sarnogoev – lead-guitar
Andrey Romanov – Throat
Anton Kaluzhin – Guitar
Rodion Tel’pizov – 4 Strings
Tracklist:
1.) The Keys
2.) Spiteful Land
3.) Dreamwave
4.) Breath No More
5.) The Way Of The Crescent
9.0 Punkte von LEX (am 27.09.2001)
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musikalischer Background des Verfassers True-und Power-Metal, Viking/Pagan/Folk-Metal, Osteuropa und Exoten in jeglicher Form, Genreübergreifendes, auch mal Thrash oder Death und Black in melodischer Ausprägung sowie ein wenig Gothic und Punk.
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