Sehen wir den Tatsachen tapfer ins Auge: Sanctuary sind endgültig Vergangenheit. Gaukelten uns Nevermore mit dem grandiosen „Dead heart in a dead world“ noch vor, dass sie ab und an gerne wieder wehmütig in den Spiegel der Vergangenheit blicken, so macht ihr neuester Streich klar, dass diese Band mit der Zeit geht. Das vorliegende fünfte Langeisen (plus einer Mini CD) der Perle aus Seattle ist eine geballte Ladung moderner Aggression. Neun starke Kompositionen hämmern düster, gewaltig und hasserfüllt durch die Boxen. Instrumental bewegen sich die Amerikaner dabei wie immer auf allerhöchstem Niveau. Insbesondere die Riffs des wahnsinnigen Jeff Loomis lassen die Kinnlade mal wieder bis zu den Eiern herunterklappen. Und der herzzerreißend psychotische Gesang von Ausnahmekehlchen Warrel Dayne ist wie gewohnt einmalig.
Gleich zu Beginn bekommen wir beim Titelsong gesteckt, dass Nevermore 2003 keinen Spaß verstehen. Heftig und mit einer gewöhnungsbedürftig modern klingenden Produktion fliegen uns die Töne um die Ohren. Ein für die Band typischer Refrain und ein Hammersolo entschädigen für die ungewöhnlichen Geräusche. „Ambivalent“ macht dort weiter, wo der Opener aufgehört hat. Staccato Riffing, High Speed Solo, voll auf die Fresse. „Never purify“ ist eigentlich ein typischer Nevermore Song, mutet aufgrund der Produktion jedoch irgendwie seltsam an. Die Fans der etwas beschaulichen und epischen Töne müssen schon bis Song Nummer vier warten, kommen dann aber voll auf ihre Kosten. Das dem folgende „I, voyager“ hätte im Gegensatz zum hektischen und einfach kranken „Create the infinite“ locker auch auf „DHIADW“ stehen können. Einen beklemmenden Käfig aus äußerst interessanten Melodien erschaffen die Amis mit „Who decides“, aus dem sie irgendwann wild ausbrechen und alles in Stücke hacken. Bei „Naumenon“ macht sich herrliche Tristesse breit, bis schließlich „Seed awakening“ noch einmal so richtig die Ohren durchbläst.
Die für meinen Geschmack etwas zu sehr mit Effekten belegten Vocals von Meister Dayne gehen diesmal etwas unter. Das Album driftet ziemlich in eine psychotische Fusion Ecke, die sich schon auf dem letzten Album mit der Coverversion „The sound of silence“ andeutete. Messerscharfe Riffs, furiose Soli und die für Nevermore typische Tightness im Rhythmusbereich sorgen dafür, das „Enemies of reality“ dennoch in jeder Phase ein Metal Album ist. Das Seelenschmerz beschwörende Gejaule des Warrel Dayne ist mir persönlich etwas zu selten zu hören. Geiles Album, der Vorgänger war aber besser.
Tracklist:
Lineup:
1. Enemies of reality
2. Ambivalent
3. Never purify
4. Tomorrow turned into yesterday
5. I, voyager
6. Create the infinite
7. Who decides
8. Noumenon
9. Seed awakening
10. Believe in nothing (Bonustrack only on lim.edit.CD, DVD-clip)
11. Next in line (Bonustrack only on lim.edit.CD, DVD-clip)
12. What tomorrow knows (Bonustrack only on lim.edit.CD, DVD-clip)
13. Engines of hate (Bonustrack only on lim.edit.CD, DVD-clip)
14. Beyond within (Bonustrack only on lim.edit.CD, DVD-clip)
8.0 Punkte von Christian (am 21.07.2003)
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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