Hier kommt Futter für tolerante Menschen. Aber auch nur für die. Katar stammen aus Russland und haben die Cyper.Porn.Neo.Industrial Musik erfunden. Wir danken Gott für die neue Schublade. Oder in diesem Fall eher Allah, denn Katar ist nicht nur der Name dieser Band, sondern bezeichnet auch einen kleinen fundamentalistischen arabischen Staat. Hoffentlich gibt es da keinen Streit um die Namensrechte.
Auf jeden Fall besteht Katar (die Band) aus zwei Leuten. Sänger Al’Con.cept zeichnet sich auch für die Texte verantwortlich. Sein Bruder im Geiste trägt den Namen Pattern Zero und ist als scheinbares Multitalent für Gitarren, Bass, Keyboards, Drum Computer, digitale Effekte und das Schreiben der Musik zuständig. Arrangiert wird gemeinsam.
Metal aus der Feder Katar bewegt sich zwischen sehr vielen Stühlen. Rammstein, Samael, Mortiis und Laibach werden vom Infoblatt als Referenz gepriesen, und das ist durchaus nachvollziehbar. Ich persönlich finde den Vergleich mit Samael treffend, doch Einflüsse der Bands aus der sogenannten Neuen Deutschen Härte sind unüberhörbar. Durch den intensiven Einsatz digitaler Spielereien entsteht eine eigenwillige Stilmixtur. Ein paar feine Ideen haben die beiden etwas durchgeknallten Künstler da auf jeden Fall zusammengetragen.
Der Opener „Burn burn my sweetest world“ weist mit seinen anfänglichen elektronischen Spielereien gleich die Richtung. Schon bald nimmt ein fetter Gitarrengroove das Ruder in die Hand. Mit dem einsetzenden Gesang drängt sich der Rammstein Vergleich auf, doch Al’Con.cept wird deutlich von Death Metal Shoutern beeinflusst, und so entsteht ein sehr akzentuierter und gut zu verstehender Grunzgesang. Irgendein gesampelter Medizinmann macht in diesem Track den Rausschmeißer und lässt den schmunzelnden Hörer begierig auf das nächste Stück warten. Im „Signal Opus“ geht es etwas flotter zur Sache und zum ersten Mal verschaffen sich Industrial Elemente Gehör, die allerdings etwas albern und unbeholfen wirken. Mir fällt bei diesem Stück auf, dass die Vocals manchmal Ähnlichkeiten mit denen eines gewissen Tom Angelrippers haben und ich muss an die ersten Sodom Scheiben denken mit diesen herrlichen Frisuren und genialen Pseudonymen. Außer im Gesang und im Hang zu lustigen Künstlernamen gibt es aber keine Parallelitäten zu den Ruhrpott Thrashern.
Song Nummer 3, betitelt mit „The end of the world“, ist ein sehr nachvollziehbares Stück Musik mit wohlklingenden Keyboards über einem coolen Beat. Der Song mausert sich zu meinem Favoriten auf der CD, obwohl er recht plakativ inszeniert ist. Dafür geht er prima ins Ohr. Das folgende „Angel Dust“ ist eigentlich nur Lärm. Es erinnert mich irgendwie an ein auf Kurzwelle eingestelltes Radio, das keinen Sender empfängt. Oder erinnert ihr Euch noch an den Sound einer Datasette beim C64, wenn man ein Spiel von Kassette geladen hat? Das getragene „The way“ ist da fast eine Erlösung, „Life is porn“ (boah, wirklich toller Titel, aber das Thema Sex hat es den beiden sowieso ziemlich angetan) ist eher schwer und zäh, trotz seines musikalisch tollen Refrains. Der Beginn von „New sermon“ ist voller seltsamer Soundeffekte. So müssen erst wirklich schön klingende Keys und ein nettes Riff dafür sorgen, dass man mit diesem Song warm wird. Der abschließende Titelsong hat ein sehr langes Intro, geht danach sehr aggressiv nach vorn und wird durch die fast schon Black Metal lastigen Vocals charakterisiert.
Katar bieten uns gut strukturierte Songs im Bereich düster und aggressiv. Die Musik ist durchdacht komponiert, kompetent dargeboten und akzeptabel produziert. Hier und da wirken die Songs durch die digitalen Spielereien etwas überladen.
7.0 Punkte von Christian (am 08.11.2002)
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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