Hmmm ... blutrote Aufmachung, die Presseinformation spricht von den "Masters Of Progressive Grind Rock" ... naja, mal sehen ...
Das erste Stück beginnt mit Bongo-Trommeln, geht aber sehr schnell in ein ziemlich schwerverdauliches Mischmasch aus allen möglichen Stilrichtungen über. Der Leadsänger nervt etwas. Nach einem etwas holprigen Zwischenspiel mit Bongos, Bass und chaotischen Gitarrenläufen geht das Stück 'normal' weiter. 'Hideaway' - wieder die Trommeln - sehr stimmungsvoll setzen Gitarren ein und dann brüllt aggressiv der (oder ein anderer ?) Sänger los. Das Stück ist ebenfalls sehr komplex und fordert alles vom Zuhörer. Wenn alle zusammen singen, wird es sehr anstrengend, denn da schleicht sich schon der eine oder andere falsche Ton ein.
Nun kommt ein wirklich seltsames Stück: 'Schreispiegel' beginnt mit einer Art Soundcollage und dann wütet ein aggressives Stück Crust Core los - klingt irgendwie wie DISCHARGE oder CHRONICAL DIARRHOEA aus den Achtzigern ... das Stück ist gar nicht mal so schlecht; jedenfalls ziemlich schräg das Ganze, aber auch erfrischend anders.
Da es so etwas wie einen bestimmten Stil bei OSH nicht gibt, wird man von jedem weiteren Stück wieder aufs Neue überrascht. Wenn man sich darauf einläßt, kann man der Scheibe durchaus seine positiven Seiten abgewinnen. Mir ist das alles zu frickelig; bin eben mehr der Typ für straighte Sachen. Naja, aber wie schon gesagt, Abwechslung ist Trumpf. So wie bei 'For Me', was mit einem sehr schönen Riff anfängt. Beide Gesangsrichtungen (der Gesang wechselt auch ständig zwischen eigentlich allen Stilrichtungen, die es so gibt ...) wissen hier ebenfalls zu gefallen. Bei 'Less Beloved Daughter', was übrigens sehr bassbetont ist, klingt der Sänger, als habe er irgendwelche psychedelischen Pilze konsumiert, obwohl im CD-Booklet ausdrücklich steht: "No harmonizers, synths or drugs were used ...".
'Mantra' beginnt mit einem gesprochenen (und im weitern Verlauf geflüsterten) Poem. Würde Klaus Kinski noch leben, wäre er sicher gerne eingesprungen. Das Stück ist wirklich äußerst eigenartig; die musikalische Begleitung besteht zunächst nur aus einer Art indonesischem Xylophon und steigert sich dann zu rhythmischem Conga-Getrommele mit einem verrückten Schreihals im Hintergrund. Sehr seltsam, das. Bei 'Wilderness' klappt das Zusammenspiel von Buschtrommeln und schrägem Rock übrigens ganz gut. Im weiteren Verlauf gesellen sich dann allerdings Klänge dazu, welche den einen oder anderen Tierschützer auf den Plan rufen müßten - die Töne, die wie das Geschrei einer gequälten Katze klingen, sind wirklich zum Steine erweichen. Trotzdem das bis dato beste Stück. 'And Always The Deep Red Sea ...' ist ein sehr stimmungsvolles Instrumental und gehört ebenfalls zu den besseren Stücken des Albums. 'Helsingör' klingt dann wieder ganz anders - die Kürze des Stücks, seine schnellen wütenden Punk-Attitüden und nicht zuletzt der leicht politische Text ("Wir werden töten lernen. Wir werden sterben lernen.") erinnern an SLIME und Konsorten. 'No Limit' wurde auch schon von ELÄKELÄISET gecovert, ich komme aber im Moment nicht drauf, von wem das Original stammt. Bei diesem - letzten - Stück läßt der comedyhafte Schluß augenzwinkernd vermuten, daß die Burschen sich selbst gar nicht so ernst nehmen.
Ich kann mit der CD nicht allzuviel anfangen, aber andere erheben sie bestimmt zum Kult. Handwerklich solide gemacht und mit einem guten Sound aufwartend, sollten die etwas chaotischeren Klängen aufgeschlossenen Metaller ruhig mal ein Ohr riskieren.
Man kann OSH sicherlich einiges vorwerfen, wenn man will, aber nicht, daß sie sich irgendwelchen Trends anbiedern oder gar bei anderen Gruppen kopieren.
Live kann ich mir die Truppe übrigens gut vorstellen. Ist bestimmt ganz unterhaltsam.
Deshalb gibt es erstmal 7 Punkte.
Track List:
01. I.C.I.
02. Hideaway
03. Schreispiegel
04. Crisis
05. Worldsaw
06. For Me
07. Less Beloved Daughter
08. Mantra
09. Wilderness
10. And Always The Deep Red Sea ...
11. Helsingör
12. Threshold To An Embrace
13. No Limit
Line Up:
Sönke Kock - Bass
Lars Scheppmann - Drums
Stephan Olsen - Vocals & Percussion
Birger Ohlsen - Guitars
7.0 Punkte von WARMASTER (am 14.10.2002)
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musikalischer Background des Verfassers Death und Black Metal, 70er-Jahre Rock, Beat
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