Xandria sind mit ihrem dritten Album am Start – und auf der Suche nach ihrer Identität? Das Debüt „Kill the sun“ war für mich ein Hammerschlag aus dem absoluten Nichts. Der viel zu weiche Nachfolger „Ravenheart“ stellte eher eine auf Sicherheit komponierte gothische Belanglosigkeit dar, wenn man mal von dem Ohrwurm Titelsong absieht. Was kommt nun mit „India“ auf uns zu? Großartiges, einfach nur großartiges. Der eröffnende Titelsong lässt mich zunächst zwiespältig zurück. Zwar packen die vier Jungs und die Dame eine Metal Keule aus, die ihnen sehr gut zu Gesicht steht. Auch die orientalischen Klänge im Unterton gefallen mir sehr gut, ebenso der mitreißende Refrain. Dennoch klingt hier wirklich an allen Ecken und Enden Nightwish durch. Es soll zum Glück das einzige Mal auf der CD bleiben. „Now and forever“ ist ein melancholischer Rocker mit viel Drive, einem wohldurchdachten Keyboardeinsatz und einem Klassechorus. Insgesamt ist dieser Song sehr symphonisch angelegt, was aber aufgrund der herrlichen Mollkadenzen keinesfalls aufdringlich wirkt. Das folgende „In love with the darkness“ beginnt vorsichtig, treibt den Hörer kurz vor sich her, um dann in einen etwas belanglosen Hauptpart zu schliddern. Naja, gefällt mir nicht so ganz. Auch das recht zerfahrene „Fight me“ kann mich eher nicht begeistern. Viel besser kommt da das ausgewachsene, an The Gathering erinnernde „Black and silver“ daher. Erfreulich stellt der Rezensent inzwischen fest, dass die Gitarre und ein von Metal inspiriertes Songwriting wieder ein starkes Gewischt bei Xandria bilden. Die Band besinnt sich auf ihre Ursprünge, die eben auch bei Bands wie Paradiese Lost und Tiamat liegen. Sehr zu meiner persönlichen Freude wird das wunderschöne „Like a rose on the grave of love“ von harmonischen Dudelsacktönen begleitet. „Widescreen“ ist sehr dynamisch komponiert. Das mittelalterlich beeinflusste „The end of every story“ ist eines der absoluten Highlights der Scheibe und mein Anspieltipp. Das getragene „Who we are and who we want to be“ ist ein sehr gefühlvolles Stück Musik, das einen in eine träumerisch melancholische Stimmung versetzt. Die Band glänzt hier fast schon mit Trip Hop Qualitäten. Mit „Dancer“ bescheren uns Xandria dann eine erstklassige Ballade. „Winterhearted“ ist wieder ein herausragender melancholischer Metal Song, ein wenig im Stil von Lacuna Coil gehalten, wenn man denn unbedingt einen Vergleich an den Haaren herbei ziehen muss. Vielleicht geht dieser Song auch eher in Richtung des Xandria Debüts. „Return to India“ spannt dann abschließend den Bogen ums gesamte Album und bildet einen mit Bedacht gesetzten Rausschmeißer. Hier geht es noch einmal verhältnismäßig aggressiv zur Sache.
Xandria nehmen uns auf „India“ mit auf eine einzigartige Reise. Komplexität und Durchschlagskraft wurden gleichermaßen erhöht. Die Band ist erwachsen geworden und hat ihre Identität gefunden. Ich freue mich schon auf das nächste Album. Wenn es ihnen da gelingt, ihr Schaffen weiter zu präzisieren, könnte der ganz große Wurf drin sein. Die Vorlage dafür ist definitiv gegeben. Sah es bei „Ravenheart“ noch so aus als würden Xandria hinter der hochklassigen Konkurrenz wie zum Beispiel den Flowing Tears zurückfallen, setzen sie mit „India“ zum Überholen an. Mal sehen, ob sie das Gaspedal auch finden. Hoffentlich schon wieder in einem Jahr?
8.5 Punkte von Christian (am 12.08.2005)
Deine Meinung ist gefragt:
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:
musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
X Aktuelle Top6
1. Darkest Era "The Last Caress Of Light"
2. Doomsword "The Eternal Battle"
3. Volbeat "Beyond Hell / Above Heaven"
4. While Heaven Wept "Fear Of Infinity"
5. Alestorm "Back Through Time"
6. Mael Mordha "Manannán"
X Alltime-Klassix Top6
1. Manowar "Into glory ride"
2. Doomsword "Let battle commence"
3. Slayer "Reign in blood"
4. Iron Maiden "7th Son Of A 7th Son"
5. Black Sabbath "Mob Rules"
6. Volbeat "Guitar Gangsters & Cadillac Blood"
[ Seit dem 12.08.05 wurde der Artikel 6144 mal gelesen ]