Es gibt immer wieder positive Überraschungen! Eine davon ist das neue Album, der mir bis dahin völlig unbekannten Italiener Coram Lethe. In wenigen Worten zusammengefasst, lässt sich „The Gates Of Oblivion“ als abwechslungsreicher, technischer Death Metal beschreiben. Alle die mit dieser Definition etwas Positives verbinden, sollten nun unbedingt (!) weiter lesen.
Wie bei jeder Band jüngeren Semesters lassen sich auch bei Coram Lethe musikalische Inspirationen recht deutlich erkennen. Dazu gehören neben Cynic, Dream Theater und den neueren Death-Alben auch diverse Death Metal Bands der amerikanischen und skandinavischen Prägung. Überraschenderweise vermeiden es die Italiener gekonnt diese Einflüsse stumpf zu übernehmen oder einfach nur miteinander zu verknüpfen. Vielmehr hat man beim Anhören des Werkes das Gefühl eine ausgereifte Band vor sich zu haben, die der Musik ihren eigenen Stempel aufdrücken kann. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands der Gattung bauen Coram Lethe die Songs auf schnell erfassbaren melodischen Riffs. Trotz der Eingängigkeit der Kompositionen, scheue ich mich hier nicht den Begriff „Progressiver Death Metal“ zu verwenden. Alleine was der Bassist in manchen Songs so anstellt, ist mehr als beachtenswert. Je länger man das Album auf sich einwirken lässt, umso flüssiger kommt es rüber, umso spannender und tiefgründiger erscheint die Musik. Der Aufbau der Songs zeigt bemerkenswerte songwriterische Fähigkeiten und wirkt trotz komplexer Strukturen keineswegs überladen.
Der Einfluss von Chuck Schuldiner auf den Gitarristen ist bei mehreren Songs sehr deutlich hörbar. Trotzdem versucht Leonardo Fusi erfolgreich aus dem Schatten des Meisters zu treten und bietet immer wieder ungewöhnliche, fast schon geniale Lösungen. Interessant fallen ebenfalls die zweistimmigen Vocalparts aus. Dabei dominiert über weite Stecken eine hohe, geschriene Stimme, die manchmal an Thomas Lindberg von At The Gates erinnert. Unterbrochen wird sie durch gutes, wenn auch recht typisches Death Metal Growling. Der Bassist ist wie schon erwähnt eine Klasse für sich und dringt mit seiner virtuosen Spielweise immer wieder in den Vordergrund. Mit „ Dying Water Walk With Us“ zeigen die Jungs, dass sie in einem Song alle Register vom brutalen Ami Death Metals bis zum jazzigen und abgedrehten Zeux Marke Cynic ziehen können ohne unglaubwürdig zu wirken. Diese spacig, progressive Aura zieht sich durch das ganze Werk und sorgt dafür, dass man immer wieder die Play-Taste betätigt.
Mehr möchte ich zu dem Album auch nicht mehr schreiben, da es weit nach Mitternacht ist. Holt Euch das Teil einfach, denn es ist ein kleines Meisterwerk. Alle die seit der „Above The Light“ von Sadist nach einer gleichwertigen Band aus Italien suchen, werden hier fündig!
Tracklist:
1. The Angels Fell
2. Shouts Of Cowards
3. Dying Water Walk With Us
4. Episode
5. Instinct
6. I, Oblivion
7. Hands Of Lies
8. Pain Therapy For A Praying Mantis
9. Ruling Emptiness
10. Sleet
9.0 Punkte von Tomektor (am 07.07.2005)
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musikalischer Background des Verfassers Death Metal, Experimental, Grind, Doom, Sludge, Hip-Hop, Jazz, Prog in allen Varianten
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