Nach der ungewöhnlich langen Wartezeit von fünf Jahren, die seit dem letzten Studiowerk „Salomé – The Seventh Veil“ vergangen sind, war die Spannung groß, wie es mit Xandria, die sich mittlerweile zu einem der wichtigsten deutschen Symphonic Metal-Acts gemausert haben, weitergehen würde. Zumal Sängerin Lisa Middelhauve überraschend die Band verließ, was für nicht wenige Gruppen das endgültige Aus bedeutet hätte.
Xandria jedoch meldeten sich jüngst mit neuer Frontdame Manuela Kraller zurück – vorher unter anderem bei Haggard am Mikro tätig – und präsentieren stolz ihr fünftes Album, „Neverworld’s End“. Und dazu haben sie auch allen Grund, denn wie soll man sagen: Beim Hören gewinnt man zunehmend den Eindruck, das Quintett ist nunmehr erwachsen geworden!
Der Fan muss dabei natürlich weder empört die Nase rümpfen noch entsetzt zurückzucken, denn wo Xandria drauf steht, da ist auch Xandria drin; Die melodische, bombastische Härte, die gleichzeitig zum Träumen und Schwelgen einlädt, ist der Truppe nicht abhanden gekommen. Und doch kann man markante Änderungen von den ersten Takten an nicht leugnen. Der Name Xandria stand bei mir bislang zwar für mitreißende Powerballaden mit hohem Wiedererkennungswert, aber eben auch für eingängige und übersichtliche Soundstrukturen, die im Vergleich mit anderen Bands eher die seichtere Schiene fuhren.
Damit scheint jetzt Schluss zu sein; gleich der Opener „A Prophecy Of Worlds To Fall“ räumt mit dieser Einstellung gründlich auf und ist eine wahre Kampfansage. Die Band hat sich ein deutlich härteres Gewand angelegt, die Doublebase nicht nur zur kurzen Ablenkung bereitgestellt und macht beispielsweise mit den harten Attacken in „Cursed“ oder dem brachialen Ende von „Soulcrusher“ deutlich, wo neuerdings der Hammer hängt – nämlich ganz klar im metallischen Bereich! Auch die sich hartnäckig festsetzenden Gitarrensoli waren bisher ein zwar bekannter, aber nur flüchtig vorbeischauender Gast. Den leichten Folk-Einschlag, der schon auf vergangenen Alben hier und da zum Tragen kam, hat man sich allerdings weiterhin bewahrt, vor allem „Call Of The Wind“ mit seinem Gefiedel und hohem Dudelsack-Anteil ist hier das Paradebeispiel. Desweiteren kommt man nicht umhin zu sagen, dass sich der Songaufbau wesentlich komplexer zeigt als dies in der Vergangenheit der Fall war. Zahlreiche Tempowechsel und unerwartete Brüche lassen das Album gereifter erscheinen, auch kommt mir der Sound teilweise ungeschliffener und rauer vor.
Soviel zur Musik, was die alteingesessenen Fans allerdings am meisten interessieren dürfte, ist, wie sich denn der Neuzugang hinterm Mikro schlägt? Nun, meiner Meinung nach kann ich mir nicht vorstellen, dass an Manuela Kraller viel auszusetzen sein wird, ich jedenfalls habe mich nach den ersten Minuten bereits vollkommen an ihre Stimme gewöhnt. Die hohen Tonlagen erreicht sie problemlos und kann auch gelegentlich einen Zacken kräftiger als Lisa Middelhauve werden; einzige Tatsache, die womöglich einigen Fans unschön aufstoßen wird, ist, dass ihr Stimmorgan unweigerlich in nächste Nähe einer Tarja Turunen gerückt wird. In der Tat muss man immer wieder an die Genre-Übermacht Nightwish denken, wenn man sich „Neverworld’s End“ zu Gemüte führt. Eine Tatsache, mit der wohl mindestens 90 Prozent aller Symphonic-Acts zu kämpfen haben und die sicher auch Mastermind Marco Heubaum bereits oft genug gehört hat.
Doch selbst wenn die Band beim erfolgreichen Versuch, aus dem eigenen Schatten zu springen, dabei in den einer anderen Band hineingeraten ist, so ändert das nichts daran, dass hier vor mir der Silberling einer Band liegt, die mit großer Beharrlichkeit in die vorderste Reihe der Genrevertreter drängt und einen definitiven Anwärter auf das beste Symphonic Metal-Album des noch jungen Jahres abgeliefert hat. Daumen hoch!
Tracklist:
Lineup:
01. A Prophecy Of Worlds To Fall
02. Valentine
03. Forevermore
04. Euphoria
05. Blood On My Hands
06. Soulcrusher
07. The Dream Is Still Alive
08. The Lost Elysion
09. Call Of The Winds
10. A Thousand Letters
11. Cursed
12. The Nomad's Crown
8.5 Punkte von Laughing Moon (am 24.02.2012)
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musikalischer Background des Verfassers Dark Metal, Gothic Rock/Metal, Folk
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