Hunde wollt Ihr ewig grinden?
Die Antwort könnte nach der Verkostung von “Utilitarian” eindeutiger kaum sein:
Auf diesem Niveau dürfen NAPALM DEATH gerne bis zum Hereinbrechen des jüngsten Gerichts weiter machen.
Die Herren Embury, Herrera, Harris und Greenway klingen 2012 frischer und angepisster denn jemals zuvor und zementieren ihren Ruf mit einem wahnsinnig starken Album als Ausnahmeformation und Szene-Urgestein, deren Einfluss weit über die musikalischen Grenzen hinausreicht.
“Circumspect” ist der Anlasser eines schonungslosen Manifestes:
Bedrohlich, unheilvoll und bedeutungsschwanger läutet er mit apokalyptischem Bombast den Anfang vom Ende der Welt ein. In dessen weiterem Verlauf ziehen NAPALM DEATH alle Register ihres bisherigen Schaffens. Derbste Grindattacken, Hard- und Crustcore, Death Metal, Punk und Noise sind auf diesem Hassklumpen einmal mehr in unnachahmlicher Weise vereint. Auch wenn die Briten nichts Wesentliches an der Marschrute der letzten Jahre verändert haben, so schaffen es NAPALM DEATH, sich stilistisch ein weiteres Mal neu zu erfinden, ohne sich dabei selbst zum Clon des eigenen Schaffens zu degradieren. Dafür spürt man die Leidenschaft, das Herzblut und den absoluten Willen hinter der kalten, düsteren Klang-Szenerie viel zu deutlich.
Die klinische Kälte war zuletzt während der “Fear, Emptiness, Despair...” und der “Diatribes”-Phase prägend, jedoch ohne den bedrohlichen Bombast, der auf “Utilitarian” in beängstigenden choralartigen Gesängen gipfelt oder sich in Saxophon-Soli bahn bricht. Experimente, die dem Album zusätzliche Impulse geben.
Ansonsten brüllen und schreien sich Greenway und Harris die wütende Seele aus dem Leib, die Instrumentalfraktion knüppelt, groovt und powert zornig wie ein Uhrwerk und auch lyrisch werden – wie zu erwarten - keine Gefangenen gemacht. Der moralische Zeigefinger liegt wie seit jeher tief in den eitrigen Wunden gesellschaftlicher Konflikte.
NAPALM DEATH haben ihren künstlerischen Status Quo schon immer dazu benutzt, um politisch und gesellschaftlich Einfluss zu nehmen und die Welt mit unbequemen und schmerzhaften Wahrheiten zu konfrontieren. Die Musik ist der hochexplosive wie durchlagskräftige Treibsatz, der dafür sorgt, dass die Ladung das Ziel nicht verfehlt. Und letzterer ist einmal mehr hochwertig und mitreißend.
Tracklist:
Lineup:
1. Circumspect (2:17)
2. Errors In The Signals (3:02)
3. Everyday Pox (2:12)
4. Protection Racket (4:00)
5. The Wolf I Feed (2:57)
6. Quarantined (2:47)
7. Fall On Their Swords (3:57)
8. Collision Course (3:14)
9. Orders of Magnitude (3:21)
10. Think Tank Trials (2:27)
11. Blank Look About Face (3:12)
12. Leper Colony (3:23)
13. Nom De Guerre (1:07)
14. Analysis Paralysis (3:23)
15. Opposites Repellent (1:22)
16. A Gag Reflex (3:30)
musikalischer Background des Verfassers Punk, Metal, Black & Death Metal... Heute höre ich alles, sofern es mich in irgend einer Art und Weise berühren kann...
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