„Ficken und Sterben“ – ein durchaus grandios gewählter Titel. Was erwartet einen mit dem dritten Werk von Jon Oystein Flink, welches erstmals ins Deutsche übersetzt wurde?
Zunächst einmal ein dünnes Buch, was Kurzweiligkeit vermuten lässt. Lt. Umschlaginfo in diesem Roman klappt ein Selbstmordversuch aufgrund falsch gewählter Hintergrundmusik infolge eines iPod-Irrtums nicht, und der Delinquent – nett alles in der Ich-Form erzählt und damit ziemlich authentisch – beginnt eine wahnsitzige Irrfahrt durch Oslo, sein ehemaliges und jetziges und künftiges Leben.
In der Tat entwickelt sich die Geschichte, die Flink dort beschreibt, dermaßen absurd, dass man sich wirklich fragt, wie man sich so was ausdenken kann oder ob nicht doch autobiografische Elemente enthalten sind. Das scheint auch so zu sein, denn er zitiert eine sehr authentische Begegnung im Osloer „Helvete“ mit Occultus und Euronymous und diverse Black-Metal-Konzerte und Erfahrungen. Und in diesem Teil des Buches wirkt Jon Oystein Flink trotz der haarsträubenden Geschichte, die sich ums eine Figur spinnt, glaubhaft, trotz der Absurdität des Gesamtwerks, in dem es wirklich nur um absurdestes Ficken und gefickt werden, Drogen, Saufen und Frau/Freundin/Familie geht.
Gleichwohl springt der Funke nicht immer über. Das Buch hat teilweise Längen, was bei einem Kleinformatbuch von 138 Seiten schon auch irgendwie schwierig ist. Andererseits gefällt mir gerade diese teilweise ausufernde, deskriptive, teilweise sich wiederholende Art zu Schreiben und Szenen zu formulieren sehr und macht das, was Flink beschreibt, in höchstem Grade miterlebbar. Auch wenn die Hauptperson ein einziges, riesiges Arschloch ist – sie ist dann doch irgendwie sympathisch.
Schade ist, dass das Ende irgendwie sehr vorhersehbar und wenig überraschend daherkommt … aber das musste wohl leider so sein, einen anderen Weg gabs wahrscheinlich nicht. Gleichwohl einige überraschende Wendungen drin und man vermutet auch schwerste Schizophrenie - oder man erkennt sich selbst? Jeder, wie er es selbst interpretieren mag.
Kurzum: Einige Längen drin, aber insgesamt ein irrwitziges, verrücktes und damit lesenswertes Buch. Viel Spaß.
Fazit:
6 Punkte.
6.0 Punkte von AndreasH (am 15.04.2011)
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