Knapp 18 Monate nach „Tumult!“ legen die wackeren, immer noch rüstigen Herren aus dem 18. Jahrhundert ihre nunmehr dritte Schellackplatte vor. Nur bedingt durch technische Notwendigkeiten natürlich erscheint „Zinnober“ als Silberling und ist somit leider nicht zum Abspielen auf einem altehrwürdigen Grammophon geeignet. In Verbindung mit Musikern, die über 300 Jahre alt sind klingt das folgende jetzt ein bisschen seltsam, aber COPPELIUS wirken auf „Zinnober“ endgültig erwachsen, will sagen, Gastmusiker wie Eric Fish, Frau Schmitt oder B.Deutung haben hier keine Parts mehr beigesteuert. Nach mehreren Durchläufen ist klar, dass jeder Fan von COPPELIUS auch an dem neuen Werk seine Freude haben wird. Der bewährte Kammercore mit Klarinetten, Cello, Kontrabass, Schlagzeug und mehrstimmigem Gesang wird erneut mit abwechslungsreichen Kompositionen dargeboten. Die CD startet so, wie ein Konzert der Herren beginnt: man hört Bastille, der mit Aufräumen beschäftigt ist und dabei ein fröhliches Liedchen pfeift.
Dann geht es richtig los und in „Diener 5er Herren“ wird der stressige Alltag des Dieners Bastille beschrieben, der wenn er nicht gerade die Weinflaschen im Keller zählen muss mit der Suche nach dem immer noch verschwundenen Zylinder beschäftigt ist. Aber es werden auch Themen aus der ferneren Vergangenheit der Herren angesprochen. So handelt das härter instrumentierte „Der Handschuh“ von einem geplanten Duell in grauer Vorzeit, während „Damen“ den Zwiespalt einer der Herren beschreibt, der zwischen dem Beminnen seiner Angebeteten und dem favorisierten Absinth-Trinken mit seinen Freunden hin- und hergerissen ist. Sehr schön finde ich auch "Gumbagubanga", ein Lied, das von einem Zauberer handelt und mit fast Voodoo-artigem, groovenden Refrain daherkommt. Haben die Herren in der Vergangenheit viele Texte von E.T.A. Hoffmann verwendet, so findet man mit „Klein Zaches“ nur noch einen Text ihres damaligen Sandkastenfreundes. Die gewohnte Schauergeschichte bekommt der Hörer bei „Nachtwache“ serviert. Im Verlaufe entpuppt sich nämlich der Nachtwächter als der gesuchte Meuchelmörder („Niemand hat’s gesehen! Keiner kann’s bezeugen“). Mit „Genghis Khan“ beweisen die Herren erneut, dass sich IRON MAIDEN mehrere hundert Jahre später schamlos bei ihnen bedient haben.
Wie endet ein COPPELIUS-Konzert für gewöhnlich? Bastille sagt: „Coppelius hilft!“ Dazu gibt es nun den gleichnamigen Song und nach dem sanften „Ade mein Lieb“ sind 55 kurzweilige Minuten schon wieder vorüber.
Tracklist:
Lineup:
01. Intro
02. Diener 5er Herren
03. Der Handschuh
04. I Told You So
05. Risiko
06. Gumbagubanga
07. Damen
08. Der Feuerwehrmann
09. Nachtwache
10. Stetig Fromm
11. Klein Zaches
12. Ein Automat
13. Vergessen
14. Genghis Khan
15. Coppelius Hilft!
16. Ade Mein Lieb
musikalischer Background des Verfassers Thrash-, Speed-, Death- und Black-Metal, Mittelalter-Mugge
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