Cephalic Carnage aus Colorado beeindrucken seit den Neunzigern mit Alben, die Collagen aus wüsten Blast Attacken und chaotischen Riff- und Melodiesalven darstellen. Die sympathische Truppe zeigt sich dabei mal mehr und mal weniger experimentierfreudig. Vor allem deutet die Musik auch immer auf ein gesteigertes Maß an konsumierten Bewusstseinserweiterern hin. Ganz nüchtern bekommt man jedenfalls kaum so schräg durchkonzipierte Songs hin. Bewährte Taktmuster und Harmoniefreudige Arrangements lässt die Band seit "Exploiting Dysfunction" zugunsten jazzlastiger Frickeleien konsequent außen vor. Lediglich in mehr als augenzwinkernden Stoner Rock oder Black Metal Passagen wird auf eine gewisse Geradlinigkeit gesetzt. Ansonsten fröhnte die Band immer dem klanglichen Chaos.
Das natürlich auch auf ihrem mittlerweile sechsten Longplayer "Misled By Certainty" - das Dutzend in Sachen Veröffentlichungen hat die Band durch diverse EPs und Split Beiträge längst beisammen. Auf den Alben herrscht dann allerdings doch immer noch ein etwas anderer Umgangston, waren viele der Splitscheiben doch einfach nur "just for fun" eingeknüppelte Drogensessions mit eher weniger Sinn und Verstand. Auf den Alben entwickelt sich dann doch weit mehr Größe und das musikalische Betätigungsfeld verengt sich, so abgedreht es dann dennoch erscheinen mag.
"Mislead By Certainty" durchzieht ein mindestens ebenbürtig hochklassiger Faden wie das bisherige Hitalbum "Anomalies", das sich im Jahr 2005 anschickte, das chaotische Element mit modern angetünchten Melodiebögen zu verbinden. "Xenosapien" fiel danach etwas uninspiriert aus; wenngleich handwerklich natürlich immer noch erhaben, blieb von dem Songmaterial kaum etwas im Ohr hängen. Im Jahr 2010 untermauert die Band ihre Abgedrehtheit erneut mit griffigen Melodieeinschüben, die aber eher für Beklemmung sorgen, als für sehnliches Mitfiebern oder generell positive Atmosphäre, die auf dem 2005er Output desöfteren aufkeimte. Gestützt wird diese Unbehaglichkeit von Monstergroove Passagen, die der Sperrigkeit der Songs etwas mildernd entgegenwirken ("Raped By An Orb", "Warbots A.M." oder "Abraxas Of Filth"). Auch vor langgezogenen, akustischen Parts macht die Band seit "Anomalies" nicht halt und überzeugt damit auch hier wieder einerseits auflockernd, andererseits stimmungsintensivierend wie bei "Cordyceps Humanis" oder "Dimensional Modulation Transmography". Ein Song wie "Ohrwurm" wirkt dagegen fast schon wie eine Death Metal Version von Tool meets Mr. Bungle - verstörend, düster, sick. Die typische Black Metal Verhohnepipelung mit eingebautem Black Sabbath Tribut heißt im Jahr 2010 "When I Arrive", wobei das Black Sabbath Prädikat in diesem Falle gesangsbedingt auch gegen ein Kyuss ausgetauscht werden könnte. Auch das, "Anomalies" abschließende 10 Minuten Monument "Ontogency Of Behavior" bekommt mit "Repangaea" eine würdige Fortsetzung, inklusive schiefem Saxophon Lead, bevor sich das Ganze zu einem balkendicken Bollwerk aus Neurosis, Tool und eventuell sogar Pink Floyd auf Speed auftürmt.
Klar, mit einem Durchlauf ist es bei so einem Album nicht getan. Nach eins, zwei Rotationen mit gespitzten Ohren machen Cephalic Carnage dem geneigtem Hörer allerdings eindrucksvoll deutlich, dass sie auf dem Sektor des technischen Frickel Death Metal / Grindcore einer Band wie Cryptopsy den Anspruch auf den Thron nicht nur streitig machen, sondern diese dank jeder Menge Spielwitz und augenzwinkerndem Wahn mit Leichtigkeit in die Steinzeit zurück bomben. Halleluja!
Line Up:
Leonard "Lenzig" Leal - Vocals
Steve Goldberg - Guitars
Brian Hopp - Guitars
Nick Schendzielos - Bass, Backing Vocals
John Merryman - Drums
Tracklist:
Lineup:
1. The Incorrigible Flame
2. Warbots A.M.
3. Abraxas of Filth
4. Pure Horses
5. Cordyceps Humanis
6. Raped by an Orb
7. P.G.A.D.
8. Dimensional Modulation Transmography
9. Ohrwurm
10. When I Arrive
11. Power and Force
12. A King and a Thief
13. Repangaea
14. Aeyeuchg!
9.5 Punkte von Horst_Sergio (am 16.09.2010)
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musikalischer Background des Verfassers Drummer von Abyss Lord (Death Metal - RIP) / Day Of The Tentacle (Death Metal / Grindcore - RIP), aktuell: Crusher (Old School Speed Metal) hört gern: Metal von zart bis hart: Hardrock, Heavy, True, Speed, Power, Progressive, Thrash, Death, Grind
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