Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bislang noch nichts von Neon Sunrise gehört habe, obwohl die Band schon seit 1998 existiert und bereits drei Demos veröffentlicht hat. Neben der kurz nach der Gründung aufgenommenen 5-Track EP „Burning in the focus“ fanden noch im Jahre 2001 die 4-Track Demo „Twisted nerve“ und im Jahre 2003 „New soul design“ den Weg ans Licht der Welt.
Und hier ist sie nun – die vierte Veröffentlichung „Toxigenesis“, mit der die Jungs nun hoffentlich die verdiente Anerkennung in Form eines Plattenvertrags erhalten. Denn die Jungs bieten auf diesem Silberling eine wirklich interessante Mischung, die man grob als Progressiven Power Metal bezeichnen kann, der sich größtenteils groovig-schleppend im Midtempobereich abspielt und nur gelegentlich in schnellere Fahrwässen abdriftet. Neon Sunrise gelingt es, einen gelungenen Mittelweg zwischen Virtuosität, welche sich in abgefahrenen Breaks und interessanten Solis widerspiegelt, die teilweise frickelig-abgespaced und teilweise verträumt-melanchonisch rüberkommen, und Eingängkeit, zu finden. Durch die Konzentration innerhalb der Songs auf einige wenige Riffs sowie die Verwendung relativ eingängiger Melodielinien besonders in den Refrains, welche jedoch auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig werden, sind die Songs jederzeit gut nachzuvollziehen.
Neben der wirklich hervorragenden Gitarrenarbeit, die durch eine prägnante Drum- und Basssektion unterstützt wird, ist insbesondere der Sänger Tim Lorenz hervorzuheben, der über ein sehr breites Stimmspektrum verfügt. Neben dem Einsatz cleaner Vocals schreckt er teilweise auch nicht vor dem Einsatz von Death Metal-Growls zurück.
Den Jungs ist es gelungen, eine sehr eigenständige Mischung zu erzeugen, welche nur sehr schwer mit anderen Bands zu vergleichen ist, wobei aber Fans von Nevermore, Psychotic Waltz oder neueren Testament-Werken definitiv bei diesem Album auf ihre Kosten kommen werden, auch wenn die Schnittmenge mit diesen Bands sehr gering ist.
Besonders hervorzuheben sind „Concept of hate“, welches durch einen sehr virtuosen und abgedrehten Zwischenteil besticht, sowie der Opener „No love lost“ und der Abschlusssong „Cold embrace“, welche über äußerst interessante Melodielinien verfügen. Etwas schwächer sind leider „Patchworx“ sowie der Titelsong „Toxigenesis“ ausgefallen.
Line-up
Tim – Vocals
Hagen – Bass
Andi – Gitarre
Seb – Gitarre
Mike – Drums
Playlist:
1. No love lost
2. Concept of hate
3. Patchworx
4. Toxigenesis
5. Cold embrace
Da auch der Sound für eine Eigenproduktion in Ordnung geht (bei der Promo, welche uns von der Band zugeschickt wurde, handelt es sich im übrigen um eine selbstgebrannte CD-ROM), kann ich diese Demo mit gutem Gewissen jedem empfehlen, der mit progressiver harter Musik etwas anfangen kann. Trotz einiger kleiner Schwächen bin ich mir sicher, dass die Band ihren Weg gehen wird, wenn sie eine Chance in Form eines Plattenvertrags bekommt.
6.5 Punkte von Nekrob (am 17.01.2005)
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