Scheiße auch. Bloß weil ich ab und zu mal Katatonia und Amorphis höre, bin ich natürlich auch für die Rezies über laues Gothic Geseiere zuständig. Dies ist zumindest der Wille unserer hochgeschätzten Chefredaktion. Dabei bekommen Bands dieses Genres von mir den gleichen Verriss, wie sie ihn wahrscheinlich von unserer Black Metal oder Metalcore Fraktion kassieren würden. Doch was tut man nicht alles für das schönste Hobby der Welt.
Was soll ich mit Gothic Mucke, die aufgrund ihrer Kreativität und ihres kompositorischen Anspruches derart zerfahren ist, dass man dazu nicht einmal tackern kann? Die Songs von Dismal sind sicher sehr gut geschrieben und umgesetzt. Nur haben sie in meiner Stereoanlage nichts verloren. Bradac versucht sich an Keys, Synthies, Klavier, Programmierung (wahrscheinlich Samples und den Drummi) und Gitarre. Afelio an durchaus trauerhaftem Heulgesang und ebenso an der Gitarre. Dazu gibt es mit einer Dame namens Ae eine durchaus stimmgewaltige Gastsängerin, die sich hinter den üblichen Gothic Nymphen nicht verstecken muss. Weitere Session Musiker betätigen den Bass und die Lead Gitarre. Ups. Da sind wir jetzt schon bei drei Gitarren. Glaube kaum, dass die auch nur einmal in der ganzen Spielzeit gleichzeitig zu hören sind. Ach ja, ein Orchester mit Violinen, Violas und Celli sollte nicht vergessen werden. Alles ist prima arrangiert und bestimmt vorzüglich eingespielt. Juckt mich aber nicht. Derart pittoreske Klangspielereien bitte nur als Hintergrundberieselung im Kunstmuseum verwenden.
Damit ich diese Band fair beurteilen wollen würde, müsste sie diesen Ratschlag befolgen: Bringt die Gitarren in den Mittelpunkt, setzt ein Schlagzeug ein, lasst den Bass grooven und fangt um Himmelswillen an, Songs zu schreiben. Da Dismal jedoch auf die Meinung eines Manowar Fans genau so wenig Wert legen werden wie dieser auf ihre Musik, bleibt es wohl bei der Frage, warum uns bei Metal(!)glory dieses Produkt überhaupt erreicht hat.
Dismal spielen Musik für Elfen, die zu lange ins Mondlicht geschaut haben. Musik für die zickige Wouldbequeenofdarkness im intellektuell geschnürten Korsett und ihre devote Zofe mit den surreal gezeichneten Kajalaugenringen. Langmatte: Finger weg! Neulich ist mir aus Portugal von ein paar Breitengraden weiter westlich her doch ganz ähnlicher Stoff untergekommen. Mein Gott. Was ist denn los im Süden? Scheint dort die Sonne nicht mehr? Da höre ich doch lieber die einhunderttausendste Melodic Metal Band aus dem Land der derzeit so erfolglosen Kicker. Eigentlich müsste ich in diese Kompositionen eintauchen, mich ihrer unendlichen Schönheit hingeben, in den endlosen Soundkaskaden versinken und über die Qualen des Universums sinnieren. No way. Ich mach mir ein Herrenhäuser auf, höre Hammerfall und grüble noch einmal darüber, wann jetzt der Releasetermin für die neue Kreator ist. Metal forever!
4.0 Punkte von Christian (am 13.01.2005)
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:
musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
X Aktuelle Top6
1. Darkest Era "The Last Caress Of Light"
2. Doomsword "The Eternal Battle"
3. Volbeat "Beyond Hell / Above Heaven"
4. While Heaven Wept "Fear Of Infinity"
5. Alestorm "Back Through Time"
6. Mael Mordha "Manannán"
X Alltime-Klassix Top6
1. Manowar "Into glory ride"
2. Doomsword "Let battle commence"
3. Slayer "Reign in blood"
4. Iron Maiden "7th Son Of A 7th Son"
5. Black Sabbath "Mob Rules"
6. Volbeat "Guitar Gangsters & Cadillac Blood"
[ Seit dem 13.01.05 wurde der Artikel 4303 mal gelesen ]