NOCTE OBDUCTA gründeten sich im Jahre 1995 und veröffentlichten drei Jahre später ihr erstes Demo „... doch lächeln die blutleeren Lippen / Begräbnisvermählung“, es folgten die Alben „Lethe (Gottverreckte Finsternis)“, Taverne (Im Schatten Schäbiger Spelunken)“, „Schwarzmetall – Ein primitives Zwischenspiel“ und Galgendämmerung – Von Nebel, Blut und Totgeburten“. Diese vier Alben zählen für mich immer noch mit zu den Besten, was der deutsche Black Metal bis dato zu bieten hat. Mit der 2003er EP „Stille (Das Nagende Schweigen)“ begannen NOCTE OBDUCTA eine Reise in völlig andere Sphären, die mit Black Metal immer weniger zu tun haben sollten. Dies gipfelte vor allem in den beiden Alben „Nektar: Teil 1 – Zwölf Monde, Eine Hand Voll Träume“ und „Nektar: Teil 2 – Seen, Flüsse, Tagebücher“. 2006 gab die Band dann ihre Auflösung bekannt.
Das nun endlich erscheinende finale Werk schimpft sich „Sequenzen Einer Wanderung“ und wurde größtenteils schon vor Bekanntgabe der Auflösung konzipiert. Aufgrund von einigen Schwierigkeiten mit dem Label erscheint das Album erst jetzt.
Das Album setzt sich aus zwei Songs zusammen, welche beide die 20 Minuten Marke locker sprengen und jeder für sich – siehe Tracklist – noch einmal in unterschiedliche Kapitel unterteilt sind, die allerdings nahtlos ineinander übergehen.
Nicht nur die Namen der Kapitel machen einem deutlich, das hier die komplette Geschichte von NOCTE noch einmal rekapituliert wird, sondern auch musikalisch geht es auf eine Reise bzw. Wanderung durch die Historie dieses Band.
Wer jetzt aber rasenden Black Metal erwartet, wie in die Truppe auf ihren ersten Werken zelebrierte, den muss ich leider enttäuschen. „Sequenzen Einer Wanderung“ hat recht wenig mit Black Metal zu tun. Die einzigen Parts, die entfernt in dieses Genre eingeordnet werden könnten befinden sich oft am Ende des Titels und dauern auch nie sehr lange. Die hier vorherrschende musikalische Richtung geht in eine dem Ambient sehr ähnliche Richtung. Der Grundtenor beider Tracks sind sphärische Klänge, die dem „Stille“-Album sehr nahe kommen, aber auch den beiden „Nektar“-Teilen. Ein sehr großer Teil der Songs klingt sehr nach Jazz. Das faszinierende an den langen Tracks ist der Fakt, dass sie nie langweilig werden, sondern sich die Motive stets ändern und nie lange vorherrschen.
Der zweite Track dieses Abschiedsalbums ist meiner Meinung nach der härtere und lässt so das Album quasi umgekehrt zur Diskographie ausklingen.
Fazit: Mit „Sequenzen Einer Wanderung“ haben sich NOCTE OBDUCTA am Ende der Bandhistorie ihr eigenes Denkmal gesetzt. Auch wenn viele alte Fans den rauen Black Metal- Zeiten der deutschen Gruppe nachtrauern, so muss doch jeder attestieren, dass NOCTE OBDUCTA mit ihren letzten vier Alben – dieses eingeschlossen – unglaubliche Songlandschaften erschaffen haben, für die einige andere Bands morden würden. Auch das letzte Werk wird wieder heiß diskutiert werden und entweder gehasst oder vergöttert. Doch man sollte der Truppe nicht allzu lange nachtrauern, denn mit Dinner Auf Uranos (haben inzwischen ein Label für ihr Debütalbum gefunden), Melkor und vor allem Agrypnie gibt es drei wunderbare Bands, die das Erbe von NOCTE OBDUCTA antreten werden bzw. angetreten haben.
Also: All diejenigen, die die letzten drei Alben mochten, sollten sich viel Zeit nehmen und sich dieses Wunderwerk zu Gemüte führen. Als Abschlussalbum einer deutschen, sehr oft unterbewerteten Band, ist „Sequenzen Einer Wanderung“ für mich jetzt schon ein Klassiker.
Tracklist:
Lineup:
Track I: 23:06 Min
(00:00) Ende
(00:06) Über wind´ge Wiesen
(02:45) Oktober
(05:02) Wald/Route: Erde-Uranos
(08:39) Ein Abend im Dezember
(09:50) Zu fernen Ufern
(12:56) Herbstlaub
(13:32) Im Sonnensturm
(14:35) Nebel-I
(15:13) Wanderung/Für Syd
(18:02) Der Nussbaum
(21:28) Allein
Track II: 20:54 Min
(00:00) Nebel-II
(04:29) Kind der kalten Nebel
(07:30) Es bersten Brücken hinter mir
(09:40) Januar/Vorbei an Ruinen/Spuren im grauen Schnee
(13:36) Desihra (Repise zu fernen Ufern)
(14:27) Bei den Feuern
(16:39) Die schwindende Glut
(18:12) Welch finstere Kaschemme
(18:38) Im Dunkel
10.0 Punkte von Toby (am 02.12.2008)
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musikalischer Background des Verfassers Death Metal (vor allem Brutal), Black Metal, (Gore)Grind(core), Crust
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