Mit dem Doppelalbum „Nostradamus“ präsentieren Judas Priest ihren Fans das erste Konzeptalbum ihrer langen Karriere. Inhaltlich arbeitet man darin das gesamte Leben und Schaffen des berühmten französischen Apotheker und Wahrsager Michel de Nostradame (1503 – 1566) ab.
Der im Vorfeld im Internet veröffentlichte Titeltrack schürte bei den Fans einige Erwartungen bezüglich einer Rückbesinnung auf vergangene Großtaten, da parallelen zu Painkiller mehr als deutlich zutage traten. Aber schon der Blick auf das Cover Artwork von „Nostradamus“ lässt vermuten, das hier alles etwas anders ist: Geändertes Band-Logo, ein Bildnis von Nostradamus mit rot glühenden Augen vor einem mythisch umwobenen Planetenmodell......
Um es vorweg zu nehmen: Mit Scheuklappen kann und darf man dieses Monumentalwerk nicht angehen. Dafür unterscheidet sich das gut 100 Minütige Opus zu stark von allem was Priest bis dato ihrer Fangemeinde präsentiert haben.
Der „Die Hard“ Fan, der Priest wegen Alben wie Screaming for Vengeance , Defenders of the Faith oder Painkiller verehrt, wird dann auch auf eine Harte Probe gestellt. Denn „klassische“ Judas Priest Songs findet man nur bedingt. Stattdessen vermischen sich auf „Nostradamus“ Opernhafte und Klassische Stilmittel mit traditionellem Metal. Die Gitarrenarbeit wechselt geschickt zwischen Hintergrundbegleitung und dominanten Element. Fast alle Songs werden von einem Intro eingeleitet und gehen komplett ineinander über, wodurch das Opernhafte Gesamtkonzept von „Nostradamus“ noch verstärkt wird.
Trotz allem klingt „Nostradamus“ im Grundcharakter immer noch nach Judas Priest! - Zum einen liegt das natürlich an der unverwechselbaren Stimme von Rob „Metal God“ Halford, der auf „Nostradamus“ absolut meisterhaft agiert. Wie vielschichtig und abwechslungsreich der Mann wirklich singen kann beweist er z.B. bei Songs wie „War“, „Pestilence & Plague“ (hier singt er teilweise Italienisch!!!) oder „Exiled“. Zum anderen werden Judas Priest typische Gitarrenriffs in den Songs immer wieder so geschickt platziert, das sie die nötigen Akzente setzen.
Nach ruhigem Intro nehmen Judas Priest den Hörer mit auf eine Reise an die wichtigen Eckpunkte in Nostradamus’ Leben:
CD 1 beschreibt den Beginn seiner Tätigkeit als Verfasser von Prophezeiungen (Prophecy, Revelations), die Zeit als Pestdoktor (Pestilence & Plague), den Tod seiner ersten Frau (Lost Love), bis hin zur Verfolgung durch die Inquisition (Persecution). Der erste Teil von „Nostradamus“ ist geprägt von Opernelementen, die Gitarren dienen hauptsächlich der Begleitung. Das geniale „War“ zum Beispiel kommt über weite Strecken ohne Gitarren aus, und lebt mehr von seiner dramatischen Grundstimmung.
Was sich zum Ende der ersten CD dann mit „Persecution“ andeutet, wird dann auf der zweiten CD konsequent fortgeführt: Die Gitarren rücken stärker in den Vordergrund, und lassen die Songs stärker nach Judas Priest klingen. Inhaltlich befasst sich CD 2 mit der Wanderzeit (Exiled, Alone), der Zuwendung zum Okkulten (Visions), seiner zweiten Heirat (New Beginnings), die Aufnahme an den königlichen Hof von Heinrich II. (Nostradamus) bis hin zu seinem Tod (Future of Mankind).
Anspieltipps sind „Prophecy“, „War“, “Visions”, “Future of Mankind”, “Persecution” und “Nostradamus”.
„Nostradamus“ ist seit dem 13.06.2008 als Doppel-Jewelcase-CD, als DIN A5-Digibook und als Collectors Box mit drei Vinyl-LP’s, der Doppel-CD, einem 48-seitigem Buch und einem Poster erhältlich.
„Nostradamus“ ist ein einzigartiges Monumentalwerk geworden, das Judas Priest von einer völlig neuen, und unerwarteten Seite zeigt. Da das Werk stilistisch und konzeptionell komplett anders ausgelegt ist als frühere Releases, werden einige Judas Priest Fans der „ersten Stunde“ sicherlich erst einmal geschockt, irritiert oder enttäuscht sein. (Ich war äußerst irritiert....) Durchaus auch verständlich und Nachvollziehbar.
Man muss Priest aber einfach zugestehen das sie für „Nostradamus“ neue Wege gesucht (und gefunden) haben sich auszudrücken. Das Resultat ist eben eher eine Oper oder Musical, anstatt „nur“ ein weiteres Heavy Metal Album. Ob man das akzeptieren kann, oder ablehnt muss jeder für sich selbst entscheiden...
Aber hätten sie gewollt, dass dieses Album nach Painkiller klingt hätten sie es sicherlich so klingen lassen. Denn können tun sie es noch, wie der Titeltrack beweist.
Bevor „Nostradamus allerdings richtig zündet, bedarf es mehrerer Durchläufe. Hat man aber erstmal Zugang gefunden, wächst dieses Album mit jedem hören und lässt einen so schnell nicht wieder los!
Geniales Werk einer genialen Band! – Scheuklappen runter, Anlage auf Zehn und eintauchen in das Leben von Nostradamus!
Tracklist:
Lineup:
CD 1
1. Dawn of creation *
2. Prophecy
3. Awakening *
4. Revelations
5. The four horsemen *
6. War
7. Sands of time *
8. Pestilence and plague
9. Death
10. Peace*
11. Conquest
12. Lost love
13. Persecution
CD 2
14. Solitude *
15. Exiled
16. Alone
17. Shadows in the flame*
18. Visions
19. Hope *
20. New beginnings
21. Calm before the storm *
22. Nostradamus
23. Future of mankind
musikalischer Background des Verfassers NWOBHM; Thrash- / Speed- / Power- / US- / Death- / Doom / Stoner Metal ; Glam / Classic/ Hard Rock & Sleaze,
X Aktuelle Top6
1. Steel Panther "Balls Out"
2. Steel Panther "Feel the Steel"
3. Gary Moore "After the War"
4. Mötley Crüe "Shout at the Devil"
5. Judas Priest "Defenders of the Faith"
6. Carnage "Dark Recollections"
X Alltime-Klassix Top6
1. Death "alles"
2. Savatage "alles bis Edge of Thorns"
3. Mötley Crüe "Shout at the Devil / Dr. Feelgood / Girls,Girls,Girls"
4. Overkill "Taking Over"
5. Deep Purple "Live in Japan"
6. Helloween "alles bis Keeper Pt. II"
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