Mit ihrem vierten Album wollen die Schweden NOSTRADAMEUS aus der (durchaus mehr als hörbaren) zweiten Reihe der Melodic Speed / Power Metal Heroen heraus treten und mit den ganz großen Wölfen heulen. Mir selbst ist die Band erst ein einziges Mal auf ihrer Tour mit Hammerfall und den absoluten Power Göttern Masterplan begegnet. Damals konnten sie gegen die übermächtige Konkurrenz der beiden anderen Bands nicht so ganz anstinken, ernteten aber durchaus ein paar Sympathiepunkte.
„Hellbound“ ist mehr. Die Band hat es geschafft, einige erstklassige Schachzüge zu diesem Album auf den Punkt zu timen. Vom geilen Cover über die extrem gut gelungene Produktion bis hin zum idealen Release Termin kurz vor der Herbstsaison stimmt hier alles. Spieltechnisch präsentieren sich die fünf Musiker in absoluter Bestform. Und mit dem Stück „The reaper’s image“ hat man einen Kracher im Gepäck. Aber eins nach dem anderen.
Kommen wir noch einmal auf den Sound zu sprechen. Den besorgte Anders „Theo“ Theander in Malmös Roasting House Studios. Glasklar und trotzdem heavy dröhnen die Instrumente aus den Boxen. Die Härte besorgt vor allen Dingen ein dickes Schlagzeugbrett. Von der Transparenz profitieren die famose Lead Gitarre und erfreulicher Weise der Bass von Thomas Antonsson. Ohne Scheiß eine der besten Soundarbeiten, die ich in den letzten Monaten erleben durfte.
Bei der Musik kommt mir mit den ersten Tönen automatisch der Name Sonata Arctica in den Sinn. Doch die Göteborger sind dreckiger als die Finnen (beispielsweise „Your betrayal“), abwechslungsreicher und wirken gereifter, da sie sich viel weniger Wert auf Kitsch und Pathos legen. Nichts desto trotz klingt Sänger Freddi Persson manchmal ein wenig nach Tony Kakko. Es gelingt ihm allerdings sehr viel leichter, die Rockröhre auszupacken, und so ist er viel näher am Metal dran als sein finnisches Gegenstück. Das Herz des Schaffens von NOSTRADAMEUS sind treibende Hammerriffs, die auch bei hohen Geschwindigkeiten nichts an Faszination verlieren.
Hier fällt es mir nicht schwer, eine Kaufempfehlung auszusprechen. Wenn auch nur unter Vorbehalt. Denn auf der mir vorliegenden Promo CD werden die meisten der zehn Songs derart überblendet, dass jeweils vorn und hinten ein paar Sekunden fehlen. Lediglich zwei Stücke sind für Radio Stationen und Zappelbuden komplett enthalten. Und wirklich ernsthaft bewerten kann ich nur ein Gesamtkunstwerk. Dennoch: „Hellbound“ ist ein fetter Brocken erstklassigen Power Metals.
Reicht es für die erste Reihe? Vielleicht noch nicht so ganz. Mit mehr Songs vom Format wie das bereits erwähnte „The reaper’s image“, dem Titelsong oder „One step away“ hätte es gepasst. Jedoch ist mit dem konstruierten „One world to live in“ oder dem uninteressanten „Seven“ auch der ein oder andere Filler dabei. Das Album ist aber ein mächtiger Schritt in die richtige Richtung, dem die direkte Konkurrenz erst einmal folgen können muss. Beenden wir das Review also mit einem weiteren Anspieltipp: Das abschließende „I am free“ ist ein kurzweiliger Song mit viel Power, Melodie, einem herausragenden Refrain und einem richtig schön ausgedehnten Solo. Einfach nur geiler Metal.
7.5 Punkte von Christian (am 21.10.2004)
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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