ROTTING CHRIST sind ein Phänomen – und eine Institution: Über mittlerweile mehr als 15 Jahre hinweg liefern die Griechen in beeidruckender Konstanz ein gutes Album nach dem anderen ab, wobei die Band stets darauf geachtet hat ihren eigenen unverwechselbaren Stil weiterzuentwickeln und zu pflegen, welcher irgendwo in der Schnittmenge zwischen Black Metal, Death Metal, Avantgarde Metal, Dark Metal und was weiß ich noch alles liegt.
Und so ist es auch wieder bei dem neuen Album !!! – „Sanctus Diavolos“ reißt sofort mit und versetzt den Hörer in diese eigenartige Stimmung, welche ROTTING CHRIST-Alben eigen ist.
Gleich das erste Stück macht dies überdeutlich: Vom Ansatz her ein fieses Black Metal-Stück, hat ‚Visions Of A Blind Order’ doch sehr viel mehr: Überraschende Gitarreneinlagen, aufs erste Hinhören befremdliche Vocals und sogar Chöre kann man entdecken.
Mittlerweile auf ein Trio geschrumpft, will es diese hellenische Ausnahme-Formation mit ihrem neuen Album offenbar wissen und legt ein Werk vor, welches in der nächsten Zeit für viel Furore sorgen wird.
Das zweite Stück – ‚Thy Wings Thy Horns Thy Sin’ ist nicht von dieser Welt – im Kern tiefer eiskalter Black Metal wird der Track umrahmt von opernhaften Chören und einer bombastischen Orchestrierung, welche selbst DIMMU BORGIR vor Neid erblassen lassen müßte.
Und in diesem Stil geht es auf stets allerhöchstem Niveau weiter:
‚Athanati Este’ ist ein beschwörerisch-dunkler Stampfer mit gänsehauterregendem Sprechgesang. ‚Tyrannical’ beginnt fast ein wenig industrial-mäßig, entwickelt sich dann aber schnell zu einem Klassiker mit allerlei unheimlichen Keyboardklängen im Mittelteil, in welche dann wiederum messerscharf Gitarren und Drums einfallen. Großartig !
Steigerung gefällig ? Bitte sehr: ‚You My Cross’ bietet „Das Omen“-artige Hintergrundchöre, was zunächst recht verstörend wirkt, einen aber gut auf den Rest des Stücks vorbereitet, welches insgesamt sehr „black“ ist.
‚Serve In Heaven’ ist ein vergleichsweise harmonisch-melodisches Stück mit fesselnden Arrangements und tollem Stakkato-Drumming, verliert aber nie seine misanthropischen Wurzeln.
Aaarrrgggh !!!! – Die Chöre auf ‚Shades Of Evil’ sind einfach unglaublich ! Dieses Stück ist ein Meisterwerk moderner schwarzer Tonkunst – einfach unfaßbar !
Das Titelstück schließlich bildet mit seiner alptraumhaften Soundtrack-Atmosphäre einen würdigen Abschluß; besonders der einschmeichelnde Refrain mit dem kontrastierend hinzugekrächzten und später gesungenenText „Sanctus Diavolos !“ sorgt für wohlige Schauer – der Herbst kann kommen !!
Auf die Musik von ROTTING CHRIST muß man sich immer wieder neu einlassen – sie will erobert und entdeckt werden und gibt nicht gleich alles von sich preis, um dann auch noch nach hundert Durchläufen jedesmal etwas Neues zu bieten, was man vorher noch nicht gehört oder anders empfunden hat.
Ganz starke Vorstellung – 9 Punkte.
VÖ: Heute
Tracklist:
1. Visions Of A Blind Order (3:46)
2. Thy Wings Thy Horns Thy Sin (4:13)
3. Athanati Este (5:40)
4. Tyrannical (5:07)
5. You My Cross (4:19)
6. Sanctimonious (3:16)
7. Serve In Heaven (3:55)
8. Shades Of Evil (5:14)
9. Doctrine (6:28)
10. Sanctus Diavolos (6:41)