Sie hört am liebsten Gothic und Heavy Metal, raucht wie ein Schlot und trinkt Bier wie ein Bundeswehr-Abgänger: Nemi, die attraktive Comic-Dame. In Skandinavien ist sie längst Kult, ein eigenes monatliches Magazin und tägliche Auftritte in einer der größten Tageszeitungen haben sie fast zu einem Bestandteil des Alltags gemacht. Sie ist das alter Ego von der norwegischen Zeichnerin Lisa Myhre, die Nemi 1997 erfunden hat, um, wie sie selbst über sich sagt, im Geiste niemals erwachsen zu werden. Nemi ist 18 Jahre alt, trägt generell Schwarz, auf ihren T-Shirts stehen Slogans wie "Barbie Is A Slut" oder "Ich habe die Vorweihnachtszeit in Oslo überlebt". Ihre Lederjacke ist mit Nieten besetzt, um in der U-Bahn aufgezwungene Körperkontakte mit Fundamental-Christen abzuwehren, denen sie auf deren Frage ob ihrer Meinung nach der Teufel existiere, lässig entgegnet: "Klar. Es wäre doch schade, wenn es ihn nicht gäbe. Wohin mit all den Vollidioten, wenn es keine Hölle gibt?". Ein überzeugter Anhänger der Gothic Szene zu sein, bringt Nemi einige Vorteile, wie ein Freund treffend feststellt: "Als Grufti hast du es echt gut. Du mußt nicht aufräumen, wenn Besuch kommt. Du machst einfach das Licht aus und sagst, das gehört zum Image".
Im Gegensatz zu ihrer Musik, tut sie sich mit Männern langfristig eher schwer. Entweder wird sie neidisch für ihren exzessiven Lebenswandel bewundert: "Wie du lebst. Stehst mittags erst auf, bist die ganze Nacht wach, du besäufst dich sinnlos und das an einem Dienstag. Das finde ich nicht okay." - "Wieso?" - "Weil ich auch gerne so leben möchte". Meistens hat sie aber das Pech, von den falschen Typen (Esoteriker, Hobby-Psychopathen oder Größenwahnsinnigen) abgeschleppt zu werden, die sie morgens dann mit allerlei Klimmzügen wieder loswerden muß: "Ist da die Vermittlungsstelle für Aushilfsjobs? Ich brauche jemanden, der für mich einspringt. Wie schnell können sie hier sein?". Vom klassischen Rollenverständnis hält Nemi auch nicht viel: "Schwangersein ist voll psycho. Ich meine, da trägt man ein lebendes Wesen mit sich herum. Sowas kenne ich sonst nur aus Alien-Filmen". Der personifizierte Alptraum aller potentiellen Schwiegermütter also.
Doch trotz aller Ecken und Kanten hat sie das Herz am rechten Fleck. So gibt sie sich beispielsweise als die ältere Freundin eines Viertklässlers, in dessen Fenster sie nachts im Vollrausch versehentlich auf der Suche nach ihrer Bude eingestiegen ist, aus, damit dieser nicht mehr von seinen Freunden als Außenseiter angesehen wird. Zum Ende des Buches schickt sie ihren Ausweis und Führerschein an das Einwohnermeldeamt mit dem Hinweis zurück, sie wolle keine Bürgerin mehr in einem Land sein, das Pelztierzucht unterstützt. Die meisten Geschichten werden in maximal fünf Bildern sehr pointiert abgehandelt, einige gehen jedoch über mehrere Seiten. Band 1 kommt in edler Hardcover-Aufmachung daher, der Anteil der schwarz-weißen Seiten liegt bei etwa 60%. Für die Comic-Fans unter den Lesern wirklich empfehlenswert.
8.0 Punkte von Armin (am 06.07.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Thrash-, Speed-, Death- und Black-Metal, Mittelalter-Mugge
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