Auch wenn einige Sender mit drögen Vorabendserien versuchen, ein bestimmtes Bild klösterlichen Lebens dem Zuschauer zu suggerieren, so liefert die unkeusche Bruderschaft POTENTIA ANIMI einen wesentlich weltlicheren gedanklichen Ansatz. Hinter den hohen Mauern wird gerockt und musiziert auf Teufel komm' raus. Notfalls solange, bis der Herr des Hauses von seinem hölzernen Ausguck vor Freude kopfüber ins Taufbecken springt! Im Gegensatz zu eher traditionell vorgehenden Kollegen wird das mittelalterliche Grundgerüst von den Brüdern relativ frei interpretiert und zudem mit einigen genrefremden Zutaten verhältnismäßig modern aufgepeppt. Konkret sieht das so aus, daß man hypnotische Mittelalter-Rhythmen und archaische Gesänge auf der einen Seite, mit poppigen Refrains und Elementen des modernen Hardrock auf der anderen Seite, kombiniert.
Die CD startet nach einem aus Glockenläuten bestehenden Intro mit "Ave Maria" noch etwas zurückhaltend, aber dennoch gefällt mir der Song, in dem ein armer Teufel sich mit dem Versprechen, ins Kloster zu gehen, vom Tod freizukaufen versucht, ganz gut, weil sich zu den mehrstimmigen Choralgesängen verhaltener E-Gitarreneinsatz gesellt. Auf "Psalm II" finden sich alle möglichen Spielarten: neben rockigen Liedern wie "Der verlorene Haufen" oder "Eifersucht", gibt es auch traditionelles Mittelalter-Liedgut in Form von "Bettelweib" zu hören, das schön mit Sackpfeifen unterlegt ist. "Drei Reiter" erinnert mich ein wenig wegen des betont maskulinen Gesangs an RAMMSTEIN, es kommt hingegen bei anderen Songs öfter eine weibliche Stimme zum Einsatz, was die Choralgesänge um eine interessante Note erweitert. Experimentierfreudigere Arrangements gibt es bei "Viva La More", bei dem sich die Choralgesänge mit Techno-ähnlichen Rhythmen paaren. Ein auf Rapgesang umgetrimmter lateinischer Text namens "Qui Per Mundum" paßt da noch ins Bild. Textlich sind sich POTENTIA ANIMI treu geblieben. Sie bieten eine Mischung aus verschmitzter und frecher Lyrik, teilweise unterhalb der Gürtellinie, aber immer mit einem Augenzwinkern versehen.
Es ist mir klar, daß sich wegen der Verwendung vieler stilfremder Elemente an "Psalm II" die Geister scheiden werden. Mir hat sie wegen der ansteckenden Spiel- und Sangesfreude gut gefallen.
Track-List
01. Intro
02. Ave Maria
03. Eifersucht
04. Qui Per Mundum
05. Anima Et Animus
06. Manus Ferens
07. Drei Reiter
08. Der verlorene Haufen
09. Bettelweib
10. Rouber
11. Non Major
12. Ewigkeit
13. Viva La More
Line-Up
Bruder Nachtfraß - Gesang, Cister
Bruder Liebe - Schlagwerk, Gesang
Bruder Schaft - Sackpfeife, Harmonium, Gesang
Bruder Schlaf - Bass, Gesang
Schnabausus Rex - Violine
7.5 Punkte von Armin (am 20.05.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Thrash-, Speed-, Death- und Black-Metal, Mittelalter-Mugge
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Crossreview von LEX:
Was kann oder muss man von der Band eines ehemaligen Inchtobakotables-Mitgliedes erwarten? Richtig! Bedingungslose Originalität und die Fähigkeit innerhalb eines überfüllten Segmentes auch mit bekannten Zutaten noch eine eigene Nische zufinden. Auch wenn das Cover einer schwangeren Nonne mit Nasenring vielleicht nicht gerade darauf hindeutet, so schaffen die skurrilen Kuttenträger mit ihrer Mischung aus frivolen, teils lateinischen, teils deutschen Texten, gregorianischen Mönchschören, mittelalterlichem Blas-, Zupf- und Schlagwerk und rockigen Tönen doch einen sehr eigenen Klang. Der unkeusche Einsatz der weiblichen Stimme sorgt zudem für einen weiteren, reizvollen Kontrast.
Schade ist, dass unter der schwachbrüstigen Produktion einiges untergeht und z.B. einem Dudelsack-Stück wie „Manus Ferens“ einiges an Power verloren geht. Auch bzw. gerade bei den Gitarren hätte ich mir ebenfalls mehr Schmackes gewünscht. Denn hier, mit Choralgesängen und fett bratenden Riffs, liegt die eindeutig die Chance sich noch deutlicher von den anderen Spielmannszügen abzuheben.
Die langsameren Stücke wie „Bettelweib“ sind bestimmt nicht schlecht, doch irgendwie fehlt hier die ureigene Note. Das können andere eben auch. Aber das kann eigentlich nicht der Anspruch von Potentia Animi sein?
Tracklist:
Intro
Ave Maria
Eifersucht
Qui Per Mundum
Anima Et Animus
Manus Ferens
Drei Reiter
Der Verlorene Haufen
Bettelweib
Rouber
Non Major
Ewigkeit
Viva La More
Line-Up:
Bruder Liebe – Schlagwerk
Bruder Nachtfraß – Cister / Gitarre
Bruder Schaft – Dudelsack / Schalmei:
Bruder Schlaf – Bass
Bruder Schnabausus Rex – Geige
5.5 von LEX (am 24.04.2006)
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musikalischer Background des Verfassers True-und Power-Metal, Viking/Pagan/Folk-Metal, Osteuropa und Exoten in jeglicher Form, Genreübergreifendes, auch mal Thrash oder Death und Black in melodischer Ausprägung sowie ein wenig Gothic und Punk.
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