Mit Samplern ist das ja heutzutage angesichts der Flut und des Überangebots teilweise kostenloser Natur (als Werbeträger für viele Labels oder als Beilage in vielen Printmagazinen) so eine Sache: Um aus dieser Masse herauszustechen, muß man schon etwas ganz besonderes bieten, spätestens vor dem Hintergrund, daß die Zukunft eventuell sowieso den erheblich umfangreicheren und hier auch schon vorgestellten MP3-Samplern gehören könnte.
Mal schauen, wie es in dieser Hinsicht bei dem schon 2004 erschienenen 1 1/4-stündigen Sampler des portugiesischen Labels Enclave aussieht:
- 18 Stücke ... das bieten andere auch.
- Kein bestimmtes Genre ist bestimmend und die Bands kommen aus verschiedenen Ländern (obwohl Portugal nicht vertreten ist !) ... auch kein besonderes Kaufargument.
- Alle Bands sind „unsigned“, haben also keinen Plattenvertrag ... das klingt schon interessanter und läßt aufhorchen.
Und hier liegt m.E. auch der Schlüssel für den Zugang zu dieser Veröffentlichung: Alle Bands auf diesem in Zusammenarbeit u.a mit den Magazinen „Legacy“, „Streetcleaner“ und „Totentanz“ entstandenen Samplers haben keinen aktuellen Plattenvertrag und versuchen so auf sich aufmerksam zu machen.
Es folgt eine kurze Vorstellung der einzelnen Bands und des Stücks, welches sie beisteuern:
01. SWEDISH MASSACRE – Eyes Of Reflection
Ganz netter Thrash aus … na woher wohl … Schweden / 6,5 Punkte
02. INCENDIUM – Crush
Nicht besonders origineller Gothic Rock aus Finnland / 5,5 Punkte
03. STOLEN PLEASURE – Underdog
Solider Death Metal aus Deutschland / 7 Punkte
04. BY PALE LIGHT – Funeral
Leicht überdurchschnittlicher Gothic Metal aus Norwegen / 6 Punkte
05. DEVOURED – Orgasm In Blood
Ziemlich chaotischer Grind Death Metal aus Belgien / 4,5 Punkte
06. THE PHARAOS – Elvis Presley
Musikalisch etwas an Motörhead erinnernder Death’n’Roll aus Deutschland; furchtbarer Gesang / 3,5 Punkte
07. ANACHRONAEON – Ages Ago
Recht interessante und epische Mischung aus Viking und Power Metal mit Death-Thrash-Gesang (Schweden); Melodie an Running Wild erinnernd / 8 Punkte
08. BETWEEN THE FROST – Erotic Inanna
Ziemlich matschig und verzerrt daherkommender Death Black Metal aus Spanien / 5 Punkte
09. DUMAH – Son Of Steel
So `ne Art klassischer Metal mit Black-Metal-Gesang aus Amiland; nicht uninteressant / 6,5 Punkte
10. URBAN FIGHT – Lu, il Viandante
Erfrischender italienisch gesungener Hard Rock mit leichten Ramones-Punk-Einflüssen / 7,5 Punkte
11. THYVORENT – No Man’s Land
True Metal mit Death-Metal-Gesang und Wikinger-Gegröhle aus Norwegen; sehr schöne Hymne / 8,5 Punkte
12. MEMORAIN – Digital Crimes
Power Thrash Metal aus Griechenland; Durchschnitt / 5,5 Punkte
13. DRAGONLANCE – Holy Blood
Naja, wenn man einen Gruppennamen im Umfeld von Schwertern, Drachen und Schlachtengetümmel sucht – dieser war halt noch nicht vergeben … egal, di Mucke der Japaner ist ganz netter epischer Heavy Metal, obwohl der Gesang doch ziemlich schief klingt / 4,5 Punkte
14. ANCESTRAL LEGACY – When Sense Dies
Fesselnder und faszinierender symphonischer Black Metal; genialer Co-Gesang von Keif- und Sirenen-Gesang / 8,5 Punkte
15. HINTHRUNA – Beholder 1984
Bitterböser Keine-Gefangenen-Black-Metal aus Italien; leider etwas konturlos / 6 Punkte
16. METHEDRAS – L.R.S.
Schneller druckvoller und kompetenter Death Thrash Metal aus Italien. Die Truppe muß im Auge behalten werden und hat zu Hause schon für Entombed, Tankard und Carnal Forge eröffnet / 8 Punkte
17. TODTGELICHTER – Asenschlacht
Ausgezeichneter mal schwelgerisch, mal rasend schnell vorgetragener Black Metal mit paganistisch-angehauchten melodischeren Parts aus Teutonien. Die einzige Band, die ich kannte (ich besitze ihr aktuelles Album „Was bleibt …“) / 8 Punkte
18. B-LOW – Two Towers Down
Eigenartiger Doom Death Metal aus Holland mit sehr tiefen Growls; nicht uninteressant / 6,5 Punkte
Auffallend bei vielen der Beiträge ist der oftmals unbekümmert vorgetragene Stilmix, wie etwa bei den Norwegern THYVORENT – ganz so, als würden sich die Bands, gewollt oder ungewollt, von derlei nicht in einschlägige Genre-Muster passenden Eskapaden verabschieden, so bald ein label sie unter Vetrag nimmt …
Das und der insgesamt doch recht erfrischende und erfreuliche Mix aus unbekannten Undergroundbands läßt diese Veröffentlichung für den einen oder anderen sicherlich sehr interessant erscheinen und bringt mich zu einer knappen 7 mit Kaufempfehlung.
7.0 Punkte von WARMASTER (am 30.01.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Death und Black Metal, 70er-Jahre Rock, Beat
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