In irgendeinem Review zu einer ganz anderen Scheibe stand der Satz, dass die Jungs sich nichts mehr beweisen müssen, doch zu dieser Band und dieser Platte passt er viel besser. Den Lautsprechern entfließt pure Harmonie. Kein Gitarrist versucht, seine Fingerfertigkeit zu beweisen, kein Sänger versucht, den Schmalzrefrain des Jahres hinzulegen, kein Mixer glaubt, durch Überbetonen einer Spur die Stimmung umbauen zu können, kein Komponist überdeckt Einfallslosigkeit mit unpassenden Einspielungen seltsamer Instrumente.
Stattdessen stellen sich sechs Musiker ins Studio und spielen bluesig und jazzig, manchmal orchestral angehauchten Prog im 70er-Stil. Ich würd's eher Artrock oder sogar nur coolen Rock nennen, aber wen interessieren schon die Kategorien.
Flöte und Bläser gehören als vollwertige Instrumente dazu, ohne aufgesetzt zu wirken. So gut passte seit Supertramp kein Saxophon mehr zum Rock. Die Gitarre hält sich oft dezent zurück. Die Tasten spielen oft im schönen Orgelsound oder als Klavier. Zusammen mit dem bodenständigen Bass- und Schlagzeugteppich entsteht ein sehr handwerklicher, erfreulich wenig elektrifizierter Sound. Ganz unprätentiös stehen Melodien und Harmonien im Vordergrund, nicht die Musiker.
So wirkt die Platte glaubwürdiger als Roine Stolts Ich-bin-50-und-spiel-den-Blues-Ausflug, harmonischer als der unausgegorene Generationenkonflikt bei Pallas (mit denen sie gerade touren) -- und im Unterschied zu Pink Floyd, die seit Monaten mit dem Verschieben des Veröffentlichungstermins ihrer Live-DVD voll alter Songs kokettieren, spielen sie einfach neue Songs.
Warum ich diese ganzen alten Säcke (nett gemeint ;-) erwähne: Proto-Kaw gehört ebenfalls dazu, es ist die Vorgängerband der 1973 gegründeten Kansas. Songwriter Kerry Livgren spielte mit den Musikern dieser Platte von 1971 bis 1973 als Kansas, bis er danach mit anderen Partnern die zu Weltruhm gelangte und heute (ohne ihn) noch aktiven Kansas formierte. Die Demotapes dieser alten Besetzung hat vor kurzem irgendwer entdeckt und daraufhin die alten Jungs angesprochen -- weitere Details auf deren Homepage. Die Songs für das um 30 Jahre verspätete Debut Before Became After entstanden teils schon in den 70ern, doch für das aktuelle Album hat Livgren neues Material geschrieben. Die meisten der alten Musiker haben in den letzten 30 Jahren wenig mit Musik zu tun gehabt, woraus vielleicht ihr uneitles Spiel resultiert.
Insgesamt entsteht eine bodenständige, harmonische und melodiöse Platte mit sympathisch wenig Effekthascherei, die allerdings etwas unspektakulär herüberkommt, fast ein wenig altmodisch -- mit natürlich perfektem modernen Sound.
Die Demo-CD enthält zehn Songs:
Nevermore 9:15
Relics of the Tempest 5:06
When the Rains Come 8:54
On the Eve of the Great Decline 4:49
Physic 5:42
Osvaldo's Groceries 3:15
The Vigil 7:18
Old Number 63 6:50
Melicus Gladiator 4:50
Picture This 6:30
Die offizielle Version besteht zusätzlich aus:
At Morning's Gate 3:08
One Fine Day 4:32
Zudem bietet InsideOut eine Special Edition an, der eine DVD mit drei Liveaufnahmen beiliegt und zu der ich nichts sagen kann.
Musiker:
Lynn Meredith - Gesang
John Bolton - Flöte, Saxophon
Kerry Livgren - Gitarre, Tasten
Dan Wright - Tasten
Craig Kew - Bass
Mike Patrum - Schlagzeug
7.0 Punkte von kacior (am 24.01.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Progressive Metal, Heavy Metal, Melodic Metal, bisschen Gothic/Dark, aber auch ProgRock, Emo
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