Mit Shape liegt nun der erste Longplayer von den Italienern Dynamic Lights in meinem CD-Player. Jeder, der bei Italien sofort mit Schrecken an symphonischen Heavy Metal der Marke Rhapsody denkt, sei beruhigt. Denn das Quintett, welches sich bereits seit 1997 im Underground tummelt, hat sich dem Progressive Metal mit Herz und Seele verschrieben.
Aufbauend auf einer präzisen Rhythmus- und Bass-Sektion gelingt es den Jungs hervorragend, das Keyboard/Piano als Hauptmelodie-Instrument zu integrieren, welches im Verhältnis zur Gitarre sehr stark in den Vordergrund tritt und dieser häufig sogar den Schneid abkauft, ohne dabei mit schwülstigen und trällernden Melodien, die nach mehrfachem Anhören langweilig werden, den geneigten Zuhörer zu foltern. Im Gegenteil, das Tastenspiel kommt teilweise sogar ziemlich abgedreht jazzig rüber und bildet einen interessanten Kontrast zu der Gitarrenarbeit.
Spielerisch befindet sich das gesamte Album auf einem technisch äußerst hohen Niveau. Die Jungs beherrschen ihre Instrumente wirklich sehr gut und schaffen es, trotz Demonstration ihrer technischen Fähigkeiten mittels abgedrehter Melodien, Rhythmen und Breaks zusammenhängende Songs zu schreiben, was leider im Prog-Metal-Bereich nicht immer der Fall ist. Häufig hatte ich schon Alben in den Fingern, wo die Demonstration technischer Finessen zum Selbstzweck wurde und dadurch leider viel zu wenig Augenmerk in das Komponieren echter Songs gesteckt wurde. Obwohl die Songs von Dynamic Lights beim ersten Anhören doch recht sperrig wirken, sollte man dem Album eine Chance geben, denn nach mehreren Hördurchläufen erschließt sich einem erst der gesamte Kontext der Kompositionen.
Insgesamt spielt sich das gesamte Album im langsamen bis Mid-Tempo-Bereich ab und besitzt eine recht melanchonische und traurige, teilweise vielleicht auch verträumte Grundstimmung, welche durch die Stimme von Sänger Matteo Infante noch verstärkt wird.
Mir fällt es wirklich schwer, Anspieltips auf diesem Album zu nennen, da das gesamte Album auf einem ziemlich hohen technischen und kompositionellen Niveau ist, ohne dabei aber Bands wie Dream Theater oder Fates Warning gefährlich werden zu können. Hervorzuheben ist unter anderem „In the hands of a siren“, welches durch die zusätzlichen weiblichen Vocals besticht, sowie das relativ harte „Going to nowhere“, welches mich phasenweise an „The mirror/Lie“ von der Awake-Scheibe von Dream Theater erinnert. Nicht vergessen werden darf aber das über 11-minütige Epos „One thousand nothing“, welches die gesamte musikalische Bandbreite der Band ausdrucksvoll demonstriert, welche irgendwo zwischen Progressive-Bands wie Dream Theater und Fates Warning auf der einen Seite, und epischen Bands wie Symphony X auf der anderen Seite zu sehen ist.
Tracklist:
1.In the Hands of a Siren
2.Between two Parallels
3.Remembrances
4.Density
5.Going to Nowhere
6.One thousand Nothing
7.Connecting
8.The big Show
Line-Up:
Matteo Infante – Vocals
Marco Poderi – Guitars
Simone del Pivo – Drums
Raffaele Mariotti – Bass
Giovanni Bedetti – Keyboards
Um auf den Punkt zu kommen, dieses Album ist jedem zu empfehlen, der auf anspruchsvollen Progressive Metal steht. Ich bin mir sicher, dass die Band ihren Weg gehen und viele Fans gewinnen wird.
7.5 Punkte von Nekrob (am 28.04.2005)
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