Mit der 3-CD-Box „Folk Aesthetic 1996 – 2006“ hat prophecy ein wahres Juwel für den ambitionierten Sammler künstlerisch wertvoller zeitloser Dark-Folk-Musik geschaffen, welches seinesgleichen sucht.
Das fängt an mit der Musik – wer TENHI nicht kennt, bitte sich noch kurz gedulden ... enthalten sind auf drei CDs insgesamt weit über drei Stunden rares und teilweise so noch nie veröffentlichtes Material der Finnen und endet natürlich mit der superben Aufmachung dieses Schmuckstücks, welches eine Zierde für jede Sammlung ist.
Von außen matt und edel wie ein wohlfeiles kleines Buch voller Poesie, offenbart das Büchlein beim Aufklappen seine wahren Qualitäten: Die drei Tonträger sind schick in einzeln aufklappbaren mattschwarzen Taschen verpackt und auf der anderen Seite befindet sich ein aufwendig produziertes 76-seitiges (!) Heft mit ALLEN Texten und deren Übersetzung aus dem Finnischen und vielen absolut phantastischen Zeichnungen und Bildern von Band-Mitglied Tyko Saariko.
Besonders gefallen hat mir dabei ein über einen pechschwarzen See gleitender skelettierter Schwan – das hat etwas zutiefst Melancholisch-lyrisches ...
Die Presseinformation spricht davon, daß diese Zusammenstellung für die „Die hard“-Fans geschaffen wurde, aber so eng würde ich das gar nicht sehen, denn das Boxset ist auch ein idealer Einstieg in die elegischen Klangwelten TENHIs für jederfrau und jedermann ...
Aber für die Eingefleischten sei vermerkt, daß folgende Raritäten und Schmankerl enthalten sind:
• Das gesuchte Demo „Kertomusika“ aus dem Jahr 1997, erstmals in digitaler Form vorliegend
• Die beiden Mini-CDs „Hallavedet“ (1998) und „Airut:Ciwi“ (2001), welche schon seit langer Zeit vergriffen waren
• Das bislang unveröffentlichte Album „Kaski“
• Die beiden Bonus-Tracks des Re-Release von „Kauan“
• Einige Demo- und Alternativ-Versionen regulärer TENHI-Songs
... und das alles in superber Soundqualität !!!
Nun aber endlich zur Musik von TENHI, welche sich gar nicht so leicht fassen läßt, denn oftmals ist sie filigran und leicht wie eine Feder und entschwindet, kaum wahrgenommen, auch schon wieder auf fast nicht spürbaren Lufthauchen nicht nur aus den Sphären des jeweiligen Zuhörers.
TENHI schaffen mit ihrer unspektakulären oftmals recht minimal gehaltenen Musik zweierlei: Zum einen verzaubern sie den Zuhörer augenblicklich mit vor dem inneren Auge entstehenden weiten unberührten Landschaften der nordischen Tundren und Wälder und zum anderen führen sie denjenigen, der sich mit Leib und Seele darauf einläßt, aufgrund regelrecht hypnotischer Songstrukturen über die finnischen Wälder, Seen und tiefverschneiten Ebenen hinaus in eine Traumwelt, welche ein jeder anders empfindet und mit eigenen Phantasien und Traumgebilden füllen kann.
Und das ist auch das eigentlich Faszinierende an TENHIs Musik: Sie läßt sehr viel Freiraum für eigene Interpretationen, sie wirbelt wie ein intensiver REM-Phase-3-Farbtraum das Unterste zuoberst und verändert den Zuhörer somit im wahrsten Sinne des Wortes.
Manch einem mögen TENHIS Weisen fernab jeglicher populärer Musik zu langweilig sein und das sind sie mit Sicherheit auch, wenn man sie einfach so an sich vorbeiplätschern läßt. Begibt man sich aber mit Haut und Haaren in den hypnotischen Sog eines dieser zum Teil sehr langen sich kaskadenartig aufbauenden und sich dabei kaleidoskopartig in steiger Verwandlung befindlichen TENHI-Kompositionen, so öffnen sich ganze Universen neuer Eindrücke, Empfindungen, Gerüche, Geschmäcker, Farben ... und natürlich Klänge ...
Hierbei möchte ich eigentlich kein einziges Stück dieser sehr gelungenen Zusammenstellung hervorheben – die in etwa gleich langen CDs lassen sich jede für sich oder auch alle hintereinander problemlos durchhören, ohne daß Langeweile aufkommen würde. Man ertappt sich nur hin und wieder dabei, daß die Gedanken weit abschweifen und daß das Rotweinglas – ich empfehle einen trockenen Wein mit intensiven Tanninen und kräftigen Beerenaromen, etwa Malbec oder Lagrein – schon wieder leer ist ...
Die Instrumentierungen sind stets behutsam ... meist dominieren Akustikgitarren, Streichinstrumente wie Bratsche oder Violine und stimmungsvolles Klavier mit gedeckten Molltönen ... aber am besten hat mir die überaus einfühlsame und emotionale Stimme von Tyko gefallen, welche, nicht zuletzt wegen der für den Mitteleuropäer weitgehend unverständlichen finnischen Verse, wie ein zusätzliches Instrument wirkt.
Diese drei Stunden getragener tiefgehender Dark-Folk-Musik gehören in die Sammlung eines jeden ernsthaften Musikliebhabers und –sammlers, dessen Vorlieben von anspruchsvollem Metal aller Sparten bis hin zu klassischen Symphonien etwa eines Dimitri Shostakovic reichen.
Konzertbericht und Interview von dem Nürnberger Auftritt zusammen mit NEUN WELTEN am kommenden Freitag (07.09.2007, Diskothek „Loop“ – Kinder der Nacht) folgen.
Tracklist:
Lineup:
CD 1:
Kertomuksia (demo 1997)
näkin laulu
havuisissa saleissa
tenhi
Hallavedet (mcd 1998)
hallavedet
hiljaiseksi lampi jää
CD 2:
kausienranta (unreleased)
suortuva (alternative version)
etäisyyksien taa (from promo 1997)
linnuit (unreleased)
tuulenkaato (alternative version)
sydänvalkea (unreleased)
kuoppa (demo version)
korvenraivaajat (jäljen demo version)
kielo (bonus song from Kauan album 1999)
niin auer hiljaa vie (bonus song from Kauan album 1999)
CD 3: (Unreleased album entity called “Kaski”)
häie
luo varjo
koiranlainen peura
suruiksi soi
sarahdus
tuuli varista
laule
vasen
neidiie