Asp, Lahannya 2011 in Dresden, Alter Schlachthof am 21.10.2011
Live dabei gewesen und somit diesen Bericht verfasst hat „Laughing Moon“
Zwei Jahre ist es her, seit ASP mit „Wer sonst?/Im Märchenland“ das letzte Neumaterial unters Volk brachten, für eine Institution wie die umtriebigen Frankfurter beinahe schon eine Ewigkeit. Nun erschien am 21. Oktober parallel zum ersten Konzert der langersehnten „Fremd“-Tour das neue gleichnamige Album, und da selbst der bandeigene Shop die Sache mit den Veröffentlichungsterminen ja nicht so eng sieht, sind einem guten Teil des Publikums die Songs gar nicht mehr so „Fremd“. Doch beginnen wir am Anfang…
Den Support übernehmen, wie bereits bei der 2008er-Tour, die Industrial Rocker Lahannya. Seit besagter Tournee habe ich die Truppe um die äußerst bezaubernde Frontfrau Lahannya nicht mehr live gesehen und sie spätestens nach ihrem „Defiance“-Album aus den Augen verloren. Was zugegebenermaßen etwas ungerechtfertigt war, denn das Quartett hat es immer noch drauf und präsentiert sich überraschend hart, mitunter würde ich sie eher in den Metal einordnen.
Die Setlist umfasst vor allem Stücke der brandaktuellen Scheibe „Dystopia“, die älteren Songs bleiben außer „Inside the Machine“ etwas auf der Strecke, sehr schade. Das Publikum verhält sich noch ziemlich zurückhaltend, was sich aber schlagartig ändert, als nach einer kurzen Umbaupause der Hauptact die Bretter entert. ASP starten mit „A Prayer for Sanctuary“ – zugleich der Opener des neuen Albums – bei welchem Asp himself zunächst noch nicht auf der Bühne erscheint. Der sympathische Frontmann taucht erst zum folgenden „Wechselbalg“ auf und hat natürlich sofort tosenden Applaus auf seiner Seite. Der genannte Song wurde schon im Vorfeld der Veröffentlichung als Single ausgekoppelt und ist daher erwartungsgemäß mittlerweile bei den meisten Anwesenden bekannt. Das neue Album nimmt auch im weiteren Verlauf der Show einen wesentlichen Bestandteil ein und kann mit Nummern wie „FremdkörPerson“ und „Eisige Wirklichkeit“ vollauf überzeugen; vor allem Letzteres ist meiner Meinung nach der energischste Teil der Scheibe und dürfte sich recht schnell als neuer Tanzflächenhit etabliert haben. Interessant ist auch die neue Tradition, welche ASP mit dem Song „Rücken an Rücken“ einzuführen gedenken und welche daraus besteht, dass das gesamte Publikum der Band wortwörtlich den Rücken kehrt und sich erst auf Anweisung des Meisters mitten im Song wieder herumdrehen darf. Was auch erstaunlich gut gelingt und für manches Schmunzeln sorgt.
Was natürlich hierbei nicht unerwähnt bleiben darf, ist die neue Konstellation im Bandgefüge. Wie der geneigte Fan sicherlich seit langem weiß, verließ Gitarrist Matthias „Matze“ Ambré die Band im Frühjahr und wurde durch Lutz Demmler und Sören Jordan (beide ehemals bei Umbra et Imago) ersetzt. Spieltechnisch haben sich die zwei Neuzugänge bereits bestens eingefügt, vor allem verpasst die zweite Gitarre dem Gesamtsound noch einmal einen deutlich rockigeren Anstrich, falls dies überhaupt noch möglich sein sollte. Sören wirkt dabei noch sehr zurückhaltend, was er aber im Grunde gar nicht nötig hat, beherrscht er sein Instrument doch bestens und zaubert unter anderem bei „Unverwandt“ (ebenfalls vom neuen Silberling) ein gar entzückendes Solo hervor.
Natürlich dürfen neben den neuen Stücken auch die altbekannten und frenetisch geforderten Hits nicht fehlen, welche wieder einmal bestens gewählt das breite Spektrum des bisherigen ASP’schen Schaffens abdecken. So wird das ältere „Sing Child“ diesmal bereits recht früh im Verlauf des Konzerts dargeboten, gefolgt von „Duett“, bei welchem Lutz an den Viersaiter wechselt und Bassist Tossi sich dafür ganz dem Gesang widmen darf. Mit Stücken wie „Demon Love“ und dem ebenfalls recht zeitig platzierten „Und wir tanzten“ werden ruhigere Töne angeschlagen, während sich bei „Schwarzes Blut“, „Kokon“ oder „Wer sonst?“ Publikum und Band gleichermaßen in Höchststimmung zu befinden scheinen.
An dieser Stelle gleich noch ein Wort zum Publikum, welches sein Altersspektrum im Gegensatz zu früheren Konzerten deutlich verbreitert hat und sich auch nicht mehr lediglich in tiefstes Schwarz kleidet. Dies werden nun einige Zungen gewiss wieder bemängeln, fest steht jedoch, dass die Stimmung kocht und auch der rüstige Rocker mit den szeneneuen Teenagern abzufeiern weiß, zusammen zu Knallern wie „Krabat“ oder der „Teufelsmühle“ abgegangen wird und vor allem die attraktive Lahannya noch einmal hysterisch begrüßt wird, welche mit gemeinsam mit Asp „Werben“ performt. Letzterer führt die Vorwürfe diverser Medien, ASP würden ja jetzt kommerziellen Pop machen, augenzwinkernd ad absurdum, gerät dabei in Diskussionen über gewisse andere, ebenfalls glatzköpfige Sänger, welche wir hier aber nicht beim Namen nennen, und hat auch sonst einiges am derzeitigen Weltgeschehen zu kritisieren, wie etwa in der Ansage zu „Ich bin ein wahrer Satan“, in welcher er die ungezügelte Geldgier der mächtigen Banker an den Pranger stellt.
Mit einem umjubelten „Ich will brennen“, welches as usual als letzter Song des Abends angedacht ist, verlassen ASP schließlich die Bühne. Doch anders als bei bisherigen Gigs ist das Publikum diesmal noch nicht gewillt, das Quintett ziehen zu lassen, und kann die Truppe schließlich noch zu einer ungeplanten Zugabe in Form von „Schwarzer Schmetterling“ bewegen. Asp, sichtlich beeindruckt und auch spürbar am Ende seiner Kräfte, weißt alle Verantwortung für das nun Folgende zurück, immerhin wurde der Song nicht geprobt, und in der Tat kommt es zu einigen Texthängern. Der Stimmung tut das nun aber beileibe keinen Abbruch mehr, schließlich stehen auf der Bühne auch nur Menschen, und so endet der Abend im Dresdner Schlachthof für Band und Publikum mehr als zufriedenstellend. ASP sind zurück, womöglich besser denn je!
Dieser Bericht wurde nach dem Besuch des Konzerts von unserem Mitstreiter Laughing Moon verfasst und von mir lediglich hier eingestellt. Für den Inhalt zeichnet Laughing Moon allein verantwortlich!
(Bildquellen: http://www.extratours-konzertbuero.de und http://www.cmm-online.de)
geschrieben am 04.11.2011 von Arturek
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musikalischer Background des Verfassers ...sehr viel
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