Mit „What if…“ veröffentlichten die ehemaligen Chartstürmer MR. BIG zu Beginn des Jahres ein exzellentes Comebackalbum, das die wieder im Original-Line-Up (Sheehan, Gilbert, Martin, Torpey) firmierenden Herren natürlich auch auf die Bühne bringen. Und das nicht - wie in den Jahren vor der Auflösung (2002) - ausschließlich in Japan, sondern auch endlich mal wieder im Herzen Europas, nämlich u.a. im altehrwürdigen Grünspan in Hamburg (Große Freiheit). Paul Gilbert ist wieder dabei, mit dem italienischen Label Frontiers Records hat man einen passenden Kooperationspartner gefunden und letztendlich gewinnt man den Eindruck, dass die Band auch in Europa nochmal richtig durchstarten will. Eine proppenvolle Location will sich schließlich in Hamburg davon überzeugen, ob die älteren Herrschaften es noch drauf haben. Auch wenn inzwischen die Kurzhaarfrisur die Matte von 1991 abgelöst hat und statt Schweiß- nun Rasierwassergeruch im Publikumsvolk zu vernehmen ist, die Spannung und Vorfreude vor dem Auftritt einer großartigen Hard-Rock-Band ist buchstäblich greifbar.
Da es heute keine Vorband gibt, entern die Herrschaften dann bereits gegen 20:00 Uhr die Grünspan-Bühne und machen mit dem Eröffnungs-Triple des „Lean into it“-Albums gleich gehörig Krach in der Bude („Daddy, Brother...“, „Alive & Kickin“) bzw. sorgen für die ersten melodischen Leckerbissen („Green Tinted Sixties Mind“). Leider macht sich aber auch schon recht frühzeitig bemerkbar, dass Eric Martin heute offenbar nicht seinen besten Tag erwischt hat (Krankheit?). Seine sonst so charismatische Stimme verweigert bedauerlicherweise bei einigen Passagen seinen Dienst. Dementsprechend wenig Ansagen richten sich auch an das Publikum. Dafür überzeugen Bass-Tier Billy Sheehan und Gitarrenhero Paul Gilbert umso mehr. Die technischen Fertigkeiten dieser Jungs gepaart mit von Spielfreude getragener Leichtigkeit sind wirklich mehr als beeindruckend. Bei den neuen Songs „Undertow“ und „American Beauty“ gewinnt dann auch Eric wieder etwas mehr Sicherheit und man stellt fest, dass die vermeintlichen Schmuserocker es auch oberamtlich krachen lassen können. Die neuen Stücke sind dafür aber auch bestens geeignet.
Mit der Powerballde „Just take my heart“ erreicht man dann einen frühen zwischenzeitlichen Höhepunkt, auch was die Publikumsreaktionen angeht. Der Mittelteil ist dann geprägt von technischen Kabinettstückchen der Saitenfraktion (Bohrmaschine, Zunge und Bottleneck kommen während des Konzerts zum Einsatz) und guten groovebetonten Standards wie „Road to Ruin“, „ A little to loose“ und dem tollen „Price you gotta pay“. Das Gitarrensolo von Paul war zwar ein weiterer Höhepunkt, für mein Empfinden wurde dabei aber mehr Kopf als Bauch angesprochen. Mit dem neuen Sahnestück „As far as I can see“ kamen dann auch nochmal die Melodiker auf ihre Kosten, bevor Billy ein famoses Basssolo zelebrierte. Der charismatische Typ sieht ungelogen aus wie 90, spielt aber dafür wie ein junger Gott. Insgesamt muss ich bei aller Begeisterung für das technische Können aber konstatieren, dass man gerne auch zwei bis drei melodischere Stücke (allen voran das schmerzlich vermisste „CDFF-Lucky this time“ mehr hätte spielen können.
Die Zugabe brachte natürlich das unvermeidliche „To be with you“ mit breitem Mitsingfaktor und den für mich verzichtbaren Opener des „Bump Ahead“-Albums „Colorado Bulldog“. Mehr als versöhnlich geriet dann allerdings der Abschluss in Form des DEEP PURPLE-Covers „Smoke on the water“ beim dem man einfach mal munter die Instrumente durchtauschte, sodass Paul Gilbert hinter den Drums Platz nahm (und sich beim Spiel wie ein kleines Kind freute....köstlich!), Billy Sheehan zunächst sang, dann Gitarre spielte, Pat Torpey zunächst Bass spielte und später sang und schließlich Eric Martin zunächst Gitarre spielte und danach Bass. Dabei hatten die Jungs mächtig Spaß und das machte es auch dem Publikum Ihnen dabei zuzusehen. Abgeschlossen wurde das Konzert dann mit dem TALAS-Cover „Shy Boy“ und ein tolles und über zweistündiges Konzert (was inzwischen ja recht selten geworden ist) fand sein Ende. Lediglich die nicht völlig präsente Gesangsleistung von Eric Martin konnte den Spitzeneindruck, den die Band hier hinterließ, ein wenig trüben.
SETLIST
1. Daddy, Brother, Lover, Little Boy (The Electric Drill Song)
2. Alive and Kickin`
3. Green-Tinted Sixties Mind
4. Undertow
5. American Beauty
6. Take Cover
7. Just take my heart
8. Once upon a time
9. It`s for you/Hoedown (Cilla Black & Aaron Copland Covers)
10. A little too loose
11. Road to Ruin
12. Temperamental
13. Paul Gilbert Guitar Solo
14. Still ain`t enough for me
15. Price you gotta pay
16. Take a walk
17. Around the world
18. As far as I can see
19. Billy Sheehan Bass Solo
20. Addicted to that rush
Encore:
21. To be with you
21. Colorado Bulldog
22. Smoke on the water (Deep Purple Cover)
23. Shy Boy (Talas Cover)
geschrieben am 06.10.2011 von Schneider
(NEU!!!!)Über den Artikel diskutieren:
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:
musikalischer Background des Verfassers 80`s Metal, Old School Thrash, Brutal & Technical Death, Metalcore, Hardcore, Mathcore, Hardrock, Melodic Rock/AOR, Prog-Metal
X Aktuelle Top6
1. Tesla "The Great Radio Controversy"
2. Cannata "Watching the World"
3. Tesla "Mechanical Resonance"
4. Corsair "Corsair"
5. Boulevard "Into the Street"
6. Pride of Lions "Immortal"
X Alltime-Klassix Top6
1. Dio "Holy Diver"
2. Iron Maiden "7th Son of a 7th Son"
3. AC/DC "Flick of the Switch"
4. Black Sabbath "Heaven and Hell"
5. Entombed "Clandestine"
6. Sentenced "Crimson"
[ Seit dem 06.10.11 wurde der Artikel 1506 mal gelesen ]