Fragen über Fragen. Vor dem Konzert, während und danach, (fast) nur Fragen.
DREDG sind auf Tour und bei einer derart vielfältigen als auch eben einzigartigen Band, dürfen auch viele Fragen erlaubt sein. Schließlich zählt diese Band zu den Bands, die sich immer wieder neu erfinden. Ihr letztes Werk „Chuckles And Mr. Squeezy“ ist derart anders ausgefallen, weniger Gitarren und echtes Schlagzeug, hin zu elektronischen Pop-Sounds, Synths und Folk. Von daher war man schon vorher genug auf die Bühnenperformance gespannt.
Doch zunächst einmal: Dredg in Europa auf Tour. Deutschland-Termine, okay. Aber ausgerechnet in Bielefeld? Wie kommt das denn? Zum Glück konnte Gavin (Gesang/Gitarre) die Meute darüber während der Vorstellung aufklären. Der Tourmanager soll nämlich aus der Umgebung Bielefelds stammen. Was für ein Glück die Bielefelder doch haben, gerade diese Band hier erleben zu dürfen.
Dredg gelten seit ihren Anfangstagen als eine der Bands, die einen gewissen Anspruch hat. Eine dieser Bands, die nicht sofort in die ein oder andere Ecke zu stecken ist, nennt es Art Rock, Alternative, Progressive Pop, Elektro-Rock oder was auch immer, es gibt immer etwas, was für Überraschung sorgt. Abwechslung, Charisma und das gewisse Etwas, was man eben nicht immer beim ersten Durchgang ihrer Alben erkennt, machen diese Band so besonders. Und gerade auch der Gesang von Gavin ist oft das i-Tüpfelchen. Was uns zu den nächsten Fragen bringt: wird es möglich sein, dass diese Stimme auch auf der Bühne so rüberkommt? Werden Dredg es schaffen dieses besondere Gefühl zu erzeugen, d.h. die besonders emotionalen Momente ihrer Songs mit den kräftigen Passagen verschmelzen zu lassen und dabei eben diesen typischen Dredg-Sound zu übermitteln?
Am Abend des 8.6. in Bielefeld im Ringlokschuppen konnten diese und auch andere Fragen durchaus beantwortet werden. Doch bevor Dredg die Bühne betreten sollten, durften die jungen Kollegen von Framing Hanley aus Nashville die Meute einheizen. Und sie präsentierten sich in ihrer guten halben Stunde Spielzeit als eine sehr agile, rockige und „überzeugende“ Band. Man kann schon behaupten, bzw. man konnte sehen, dass sie ein gewisses Potential besitzen, um das Publikum zu unterhalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. Doch leider sind die Songs nicht wirklich das Wahre gewesen. Ihre Mischung aus, sagen wir mal, dem normalen Alternative „seichter“-Rock/Nu Metal und Emo Core á la Papa Roach, Funeral for a Friend und vielleicht noch ein wenig Life of Agony klang eben eher normal, üblich und nicht wirklich besonders. Aber zumindest war ihre Bühnenpräsenz sehr cool. Der Shouter hat es zu keinem Zeitpunkt versäumt das Publikum überzeugen zu wollen. Zum Ende hin konnten eben nicht wirklich im Publikum sich seinen Aufforderungen entziehen und kam tatsächlich noch ein paar Schritte mehr zur Bühne heran. Mit Sicherheit eine besondere Ehre, dass diese jungen Burschen für Dredg eröffnen durften und sie haben es gut gemeistert. Zumal mal ihnen ihre Freude auf der Bühne ansehen konnte.
Setlist Framing Hanley (ohne Gewähr):
"intro"
1. Home
2. Built For Sin
3. Not What
4. Fool Within
5. LSD
6. Stupid Girl
7. Count Me In
8. Hear Me Now
Dredg brauchten zwar etwas für den Umbau und ließen das Publikum fast eine Dreiviertelstunde warten, aber viel interessanter war die „Frage“, warum lediglich 400 Leute diese Band hier sehen wollten?! Da spielen sie noch am Wochenende vor tausenden Fans beim Rock am Ring/im Park, haben noch Termine in Hamburg und Dortmund wahrgenommen und befinden sich noch als Support-Act für die Shows von Linkin Park als auch System of a Down in Deutschland (Termine siehe unten) und in Bielefeld nun diese eher „familiäre“ Atmosphäre?! Aber nun, es schadet ja nicht wirklich.
Die Setlist konnte sich allemal sehen lassen. So bunt, wie ihre Musik selbst.
Und tatsächlich, Gavin schafft es mit seiner Stimme das „Besondere“ hervorzuheben, aber leider wird ihm oft der Sound zum Verhängnis. Auch wenn nicht immer seine Stimme genau so emotional, weich rüberkommt, wie es sich auf den CDs anhört, so hat er trotzdem das Charisma, welches eben das gewisse Etwas ausmacht. Zusammen mit den vielseitigen Wechsel der Soundkollagen zwischen Bass, Schlagzeug und den beiden Gitarren (ein Aushilfsgitarrist ist mit von der Partie) als auch der typischen Slide-Gitarre sowie etlichen „Effekten“, setzen Dredg ihren besonderen Sound wirklich um. Sie lassen es sich auch nicht nehmen, hier und da zu improvisieren und mal den ein oder andere Part eines Songs zu „verändern“. Es macht wirklich Spaß diesen Jungs bei ihrer Vorstellung zuzuschauen und zuzuhören.
Spätestens bei „Bug Eyes“ war die Begeisterung der Publikums auch bei der Band angekommen. Aber man konnte eben auch nicht anders. Als dann noch „Information“ folgte, war wirklich kein Halten mehr. Mitsingen, hüpfen, klatschen und staunen.
Ob nun bei den ruhigeren Parts (u.a. „Lightswitch“, „Down To The Celler“), den heftig-rockenden, ja, metallischen Momenten (u.a. bei „The Pariah“, „Ode To The Sun“), oder eben auch „elektroangehauchten“ Beats-/Hooks-Sounds, wie u.a. bei der Umsetzung von „Down Without a Fight“ – es passte. Es hat mich sogar eher überrascht, dass Dredg sich viel rockiger präsentierten, als sie es oft auf ihren Alben sind. Elektrisierend und vielseitig ist ihre Performance definitiv.
Doch leider gab es an diesem Abend einige Sound- und Lichtprobleme. Die Lichtshow kam nicht wirklich immer zur Geltung, aus welchen Gründen auch immer. Mag auch an der Halle selbst gelegen haben, da sie vielleicht zu groß wirkte. Aber der Sound war anfangs eher mau. Viel zu laut und besonders beim Gesang wurde eben gespart. Hier und da ging dieser einfach in dem viel zu lauten Schlagzeug als auch dem Bass eher unter. Mit der Zeit, etwa zur Hälfte der Show wurde es dann tatsächlich besser. Aber lediglich mit Ohrstöpsel war einiges deutlicher zu hören, bzw. auseinander zu halten und es kam eben „delikater“ rüber.
Und was gar nicht ging, war die reine Spielzeit von gerade mal 75 Minuten! Das ist einfach unfassbar. Es hätte sicherlich noch die eine oder andere Zugabe geben dürfen, wenn nicht sogar müssen.
Fazit: Ein herrlicher Soundtrack der Gefühle in rockiger Umhüllung.
Trotz zahlreichen Antworten zu den vorangegangenen Fragen, sind also auch während und nach dem Konzert viele neue Fragen entstanden. Aber im Endeffekt ist es auch egal, was dazu für Antworten kommen (könnten). Es zählt eben der Moment dieser abwechslungsreichen Sounds, irgendwo zwischen Alternative Rock, Art Rock, Progressive und Shoegaze als auch Elektro-Synth-Folk. Allemal eine wirklich sehens- und hörenswerte Band, die man unbedingt LIVE erlebt haben muss.
Setlist Dredg (ohne Gewähr):
1. Another Tribe
2. Upon Returning
3. Not That Simple
4. Bug Eyes
5. Information
6. Whoa Is Me
7. Movement V: 90 Hour Sleep
8. Lightswitch
9. Ode to the Sun
10. Planting Seeds
11. Down Without a Fight
12. Pariah
13. Of The Room
14. The Thought of Losing You
15. Hungover on a Tuesday
16. The Canyon Behind Her
17. Down to the Cellar
Die restlichen Termine 2011 in Deutschland für Dredg (Quelle: MLK.com)
15.06.2011 Mi. Berlin / Kindl-Bühne Wuhlheide (als Special Guest bei SYSTEM OF A DOWN),,
18.06.2011 Sa. Leipzig / Festwiese (als Special Guest bei LINKIN PARK),
19.06.2011 So. Oberursel / Hessentag (als Special Guest bei LINKIN PARK) ,
25.06.2011 Sa. München / Messegelände Riem (als Special Guest bei LINKIN PARK).
geschrieben am 10.06.2011 von Arturek
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musikalischer Background des Verfassers ...sehr viel
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