Liebe Metalheads,
in der Nacht von Montag auf Dienstag hat der launische Wettergott doch noch seine Schleusen geöffnet, aber jetzt am Morgen strahlt schon wieder die Sonne. "Wetter gut, alles gut", fasst Holger Hübner die Situation kurz und bündig zusammen. Am Abend zuvor hat der Wacken-Boss seine Mannschaft in einer freundlichen Ansprache auf die kommenden Tage und Nächte eingeschworen. Dabei betont Holger den familiären Charakter des Teams und stellt den Dienst an den Fans in den Vordergrund. Sein klares Wort von der "gegenseitigen Rücksichtnahme" spricht sich hoffentlich bei allen Beteiligten rum.
Die nächtlichen Regengüsse waren der erste Härtetest für ausgestreuten Rindenmulch auf dem Gelände, und er hat in mit Bravour bestanden: Die Füße bleiben trocken und standfest. So kann es weitergehen. Auf allen Bühnen installieren die Techniker derzeit die Lichtanlagen, gigantische Scheinwerferbatterien an Ketten und Gerüsten steigen unter die Decken. Es werde Licht. Vor den Bühnen stehen in Reihe und Glied riesige Lautsprecherboxen - die Tieftöner sind angekommen. Bald ballern hier die Bässe durch die Bäuche.

Im Innenbereich wird es langsam voll. Rund um die sanft brummenden Kühlwagen schießen Bierhütten in Bremer Grün-Weiß wie Pilze aus dem Boden. Gabelstapler schaffen im Konvoi silbrige Stahlfässer mit Beck’s herbei. Doch auch andere Stände wie ein Jägermeister-Stützpunkt in knalligem Orange machen sich breit.
Die Hörnerwhisky-Firma hat im Vorfeld außerdem einen mobilen Kran aufgebaut, an dem für die besonders Wagemutigen eine Gondel mit Sitzen baumelt. Von diesem Jägermeister-Hochsitz werden aber keine Hirsche erlegt, sondern lediglich Fotos mit schöner Aussicht geschossen. Erste Testläufe deuten darauf hin, dass Menschen mit Höhenangst hier besser nicht einsteigen sollten.
In der Führungsposition beim Aufbau liegt noch immer das W.E.T.-Stage-Zelt: Licht- und Sound-Anlage hängen bereits im Gerüst, also kann bereits an der Verkabelung und den Feinheiten der Technik gearbeitet werden. Bevor die hiesige Crew ihren Kollegen an den anderen Bühnen nun eine lange Nase dreht, sollte erwähnt werden, dass im Zelt die kleinste Anlage steht.

Auf dem Vorfeld hingegen sieht es immer noch nach einer Baustelle aus: Neben dem Jägermeister-Hochsitz sind über Nacht noch mehr Buden aufgetaucht, an denen sich bald für jeden Gaumen eine Freude finden wird, von Pizza über Knoblauchbrot bis zu mexikanischem Chili. Im bayrischen Biergarten verbreitet ein von blauweißen Stangen umstellter Brunnen das nötige Jodelgefühl, die Sonnenschirme sorgen für Wasserschutz, weil gerade ein leichtes Nieseln einsetzt. Daumen drücken: Der Regen muss weg!
Auf dem Camping Ground herrscht schon helle Vorfreude auf das Festival, aus jeder Ecke schallt einem der „Wackööööön“-Schlachtruf entgegen. Mittlerweile sind mit C, D, E, und P schon vier Areale vollständig gefüllt. Bei einem Spaziergang durch die Gassen zwischen den Zelten fallen einem die obskursten Siedlungen auf. Dass einige ihre Wohnungseinrichtungen mit Sofa und Sessel mitgebracht haben, wirkt noch vergleichsweise normal. Doch wenn jemand ein ganzes Fitness-Studio mit Hantelbank etc. aufbaut, kommt man schon ins Grübeln. Erst recht bei einem Auto, in dessen Motorraum ein Rundgrill über einem Steinblock für die Kohle hängt. Wo ist der Motor geblieben? Wie ist der Wagen überhaupt aufs Gelände gekommen?

Bei unseren Streifgängen über das Gelände begegnet uns auch Metal Harry, der Moderator der W:O:A-Podcasts. Und er war umringt von Fans, die sich reihenweise Autogramme von ihm und Fotos mit ihm wollten…
Auf der Medieval Action Area herrscht beschäftigtes Treiben: Im Bullhead City Wrestling Tent wird der Ring aufgebaut, auf dem schon morgen die ersten Kämpfe stattfinden werden.
Im angrenzenden Wackinger-Dorf richten sich die Händler, Rollenspieler, Ritter und Wikinger ein. Sogar das Drachboot haben sie schon an Land gezerrt.
Shuttle-Koordinator Enno Heymann ist stolz auf seine "Schwarze Flotte": Bei ihm treffen derzeit die Kleinbusse ein, mit denen in den nächsten Tagen fast alle Musiker von Flughäfen, Fähren und Bahnhöfen eingesammelt und nach Wacken gebracht werden. Damit alle Bands rechtzeitig auf den Bühnen stehen, herrscht hier bald ein reger Zubringerverkehr. Deshalb bitte auf den Anfahrtsstraßen immer schön vorsichtig bleiben!

Am Abend fand zudem im Landgasthof „Zur Post“ eine Lesung von Andreas Schöwe statt, bei der er auszugsweise sein neues Buch „Wacken Roll“ vorstellte, das die 20-jährige Geschichte des Wacken:Open:Air anhand von persönlichen Erinnerungen der Beteiligten Revue passieren lässt. Lesenswert.
Rain or shine!
Björn & Gunnar
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