MAGNUM gehören neben DEMON zu den ausgesuchten großen Hardrock-Acts aus dem Vereinigten Königreich, die durch ihren charakteristischen Sound irgendwo zwischen Hardrock, AOR und Prog immer schon schwer in eine bestimmte Schublade passten und sich demzufolge eine eigene musikalische Nische geschaffen haben, die Fans aus den verschiedensten Musiksparten anziehen konnte. Nachdem ich die 1972 gegründete Band bisher nur im Rahmen des Bang Your Head-Festivals 2004 live erleben konnte, war ich gespannt, wie sich die älteren Herren mit ihrem auch bei Metalglory mit überschwänglichen Kritiken bedachten, neuen Album „Princess Alice & The Broken Arrow" im Gepäck auf ihrer Headlinertour schlagen würden.
Nachdem das für den Nachmittag angekündigte Akustik-Set im hannöverschen Plattenladen HOT SHOT leider ausfallen musste und sich die zahlreich anwesenden MAGNUM-Fans mit einer Signing- und Photo-Session begnügen mussten, zogen die Fans ins Capitol weiter, wo ab 20.00 Uhr Konzertbeginn anberaumt war. Als Anheizer war die junge deutsche Band DIE SPRINGER gebucht worden, die sich mit ihrem doch recht deutlich im Fahrwasser der SPORTFREUNDE STILLER angesiedelten Deutschrock im Endeffekt zwar nicht als wirklich passend herausstellten, beim fast durchweg älteren Publikum allerdings tolerante bis anerkennende Reaktionen ernten konnte.
Nach einer etwas zu langen Pause kamen dann endlich Catley, Clarkin und Co. ohne ein Intro auf die Bühne und stiegen recht schnoddrig mit dem Opener der neuen Platte „When we were young“ ins Set ein, was das zufriedene Publikum mit tosendem Applaus bedachte. Weiter ging’s mit dem Vigilante-Kracher „Backstreet Kid“ und dem neuen „Out of the shadows“. Dem Schema Neuer Song - Alter Song - Neuer Song blieb man im Weiteren treu, was für meine Begriffe die Stimmung etwas am Boden hielt. Mit „On a storyteller`s night“ folgte dann aber das erste Highlight des Abends. Dies ist einfach ein fantastischer Song, der immer wieder eine Menge Spaß macht. Nach dem töften „Like brothers we stand“ konnte auch „How far Jerusalem“, wieder jede Mange euphorische Reaktionen einfahren. Spätestens jetzt fiel aber auch auf, dass die Stücke der neuen Platte den alten Klassikern nicht das Wasser reichen konnten. Auch wenn es wahrlich keine schlechten Songs sind. „Dragons are real“ wurde sogar lauthals mitgegröhlt und schien den Anwesenden doch schon recht geläufig zu sein.
Langsam kam Stimmung auf und im Publikum wurde doch tatsächlich vereinzelt beherzt geklatscht, geschwoft und gebangt, was erfahrungsgemäß bei älteren Rockacts mit entsprechendem Publikum ja nicht mehr ganz so angesagt ist. Mit „Les Morts Dansant“, dem tollen Ohrwurm „We all run“ vom „Brand New Morning“-Album und dem frenetisch abgefeierten „The Spirit“, das Catley und Clarkin akustisch einleiteten, ging es weiter. Hier war auch Bob Catley`s Stimme mal ausnahmsweise vernünftig zu hören. Selbige ging soundtechnisch im restlichen Set doch leider etwas unter. Nach dem bedächtigen „All England`s Eyes“ war es dann endlich Zeit für die Mega-Hits „Vigilante“ und das unvermeidliche „Kingdom of Madness“, die beide nach allen Regeln der Kunst vom Publikum abgefeiert wurden. Doch dann war erstmal Schicht im Schacht. Die Band verschwand hinter der Bühne und ließ sich gerne vom fordernden Publikum für (leider nur) zwei weitere Zugaben nach vorne bitten.
Mit dem öden „Thank you for the day“ von der neuen Platte und dem atmosphärischen „Sacred Hour“, bei dem letztmalig schöne Soloparts vorgetragen wurden, verabschiedete man sich standesgemäß - wie bei großen Rockbands üblich – mit einer Vorstellung der einzelnen Bandmitglieder und höflichen Dankesworten gen Publikum.
Alles in allem kann man sicher von einem gelungenen Auftritt der Altmeister sprechen, auch wenn ich mir neben dem üblichen Gemäkel an der Setlist (Wo zum Beispiel waren Hits wie „Soldier of the line“, „Just like an arrow“ oder Songs von der „Wings of Heaven“-Platte?) gerade von Mr. Catley und Mr. Clarkin einen letzten Funken mehr Leidenschaft gewünscht hätte. Hier merkte man den Altherren ihre in all den Jahrzehnten erworbene Routine doch deutlich an. Andererseits hatte sowohl die frisch aufspielende Rhythmusfraktion als auch Keyboarder Mark Stanway sichtlich Spaß in den Backen und auch das Publikum schien mit dem Auftritt der Bombast-Rocker vollends zufrieden.
Setlist:
When we were young
Backstreet Kid
Out of the shadows
On a storyteller`s night
Like brothers we stand
How far Jerusalem
Dragons are real
Les Morts Dansant
We all run
The Spirit
All England’s eyes
Vigilante
Kingdom of Madness
Thank you for the day
Sacred Hour
geschrieben am 13.05.2007 von Schneider
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musikalischer Background des Verfassers 80`s Metal, Old School Thrash, Brutal & Technical Death, Metalcore, Hardcore, Mathcore, Hardrock, Melodic Rock/AOR, Prog-Metal
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