Wie sieht Dein Leben im ständigen Stress, dem musikalischen Business aus, da Du mit zu den großen des Prog Rock gehörst (seit es eben die Trilogie von Riverside gegeben hat)?:-) Verrate uns doch mal gleich zu Anfang warum LUNATIC SOUL (siehe Review)?
Du übertreibst natürlich, was meine Bekanntheit anbelangt :-). Aber nun, Lunatic Soul? Ich werde bestimmt nicht groß verbergen, dass ich mich als Künstler, also Sänger, Texter, Instrumentalist etc. weiterentwickeln möchte. Die Gründung eines Projektes ist für meine Begriffe genau das Richtige, um so etwas durchzuführen. Natürlich habe ich auch genügend Freiraum bei Riverside, aber das ist eben eine Band, ein Zusammenwirken zwischen allen Bandmitgliedern. Das heißt dann wiederum, dass man auch Kompromisse eingehen muss. Bei Lunatic Soul kann ich tun und lassen was ich ganz allein will.
Nach vielen durchaus erfolgreichen Alben mit Riverside, kann man also durchaus sagen, dass Du nicht ausgelastet bist bzw. nicht gelangweilt, um Freunde zu treffen gemeinsam ein Projekt einzuspielen. Woher hast Du diese Inspiration für dieses Werk als auch diesen orientalische, experimnetierfreudige Arrangements?
Meine orientalischen „Ausbrüche” kommen daher, weil ich selbst sehr viel solcher Musik höre. Seit der Kindheit härte Mr. Hyde Dead Can Dance und Dr. Jeckyll – Clannad. Außerdem mag ich Peter Gabriel sehr gern, wobei mir seine Songs mit dem afrikanischen, orientalischen Touch besser gefallen. Diese Musik hatte für mich eine unbeschreibliche Macht und Energie. Als ich dann noch skandinavischen Folk entdeckt hatte, wie den von Hedningarn oder Garmarn, war es um mich geschehen. Ich wusste, dass nun bis zum Lebensende mich dies verfolgen wird. Schon bei Riverside versuchte ich einige solche Dinge umzusetzen. Manchmal entstehen dann Songs wie „After” oder „Schizophrenis Prayer”, wobei solche Songs mir am nahsten am Herzen liegen und daher ganz bestimmt nicht auf einem Projekt wie diesen fehlen dürfen. Wie ich schon anfangs erwähnt hatte, möchte ich mich weiterentwickeln und auch daher kein gewöhnliches Album kreieren. Wodurch ich diese Arrangements mit gewöhnlichen Sounds aber auch vermische und sich der Alternative Sound ohne die typische E-Gitarre ergibt.
Das Debüt ist zwar eine Art Konzeptalbum, obwohl auch jeder Songs für sich stehen könnte. Zu unterschiedlich wirken auch die einzelnen Songs auf einen wie mich. Wie bist Du an die Entstehung der Songs herangegangen und wie zufrieden bist Du mit dem Eregbnis, letztendlich?!
Zufrieden bin ich durchaus. Es war meine volle Absicht genau diese „Verwirrung” eines Konzeptalbums zu erzeugen. Ich wollte eine Geschichte erzählen und ich denke, dass es mir gelungen ist. Viel zu verdanken haben ich dem Maciek Szelenbaum, den ich noch vor den Riverside-Zeiten kennen gelernt hatte, der mir nun sehr viel bei dieser Komposition geholfen hat. Er hat viele fantastische Instrumente eingespielt und war Mitkompositator einiger Tracks. Improvisiert haben wir meist zusammen, erst danach habe ich alles zusammengefügt und arrangiert. In diesen Sphären verstehen wir uns blind, wenn man so will und ohne ihn kann ich mir Lunatic Soul nicht vorstellen. Aber natürlich muss ich auch alle weiteren Gäste loben. Wawrzyniec, der Schlagzeuger von Indukti und UnSun, Michał Łapaj, Maciek Meller verstehen meine Visionen und haben diese auf ihre Art umsetzen können. Ich in ihnen allen sehr dankbar, dass sie an diesem Projekt teilhaben wollten.
Ok, auch wenn man das Album als etwas völlig anderes als rein Prog Rock beschreiben könnte, so wird es sicherlich vor allem das Label mit einem Aufkleber/Werbekampagne starten, dass Du eben von Riverside bist. Wirst Du damit ein Problem haben, dass dadurch Lunatic Soul schon in eine bestimmte Ecke gedrängt wird.
Mit einer derartigen Werbemasche habe ich gar kein Problem, wenn die Scheibe gefällt, dann eben auch den Fans von Riverside. Jedoch habe ich natürlich versucht, wie ich nur konnte, meinen eigenen Stil beizubehalten und eben nicht ein zweites Riverside. Ich denke, dass dies auch gelungen ist, wie Du auch schon erwähnt hast. Es wäre fatal etwas Ähnliches oder zu triefst Vergleichbares zu produzieren. L.S. besitzt einen ganz anderen Charakter, es klingt düsterer, mystischer und eben ruhiger. KScope, das Label, ist meist durch ihre sog. post-prog Band (als bloß Prog-Rock Band) bekannt, mit dem alternativen Touch im neueren Gewand bekannt, von daher denke und hoffe ich, dass allein dadurch auch neue Leute auf die Musik von L.S. aufmerksam werden, als bloß die Fans der Trilogie von Riverside.
…das Album klingt durchaus sehr emotional und besitzt daher viel Gefühl. Das Werk kann man nicht mal eben so nebenher laufen lassen, was auch durch die Texte unterstrichen wird, kannst Du kurz auf diese bitte eingehen?!
Genau richtig, kein Album was nur so laufen sollte. Man muss sich schon ein bisschen darauf einlassen und die Zeit dafür aufbringen. Und textlich sowieso, da sich die Thematik meist auf den Tod konzentriert. Wenn also jemanden „Leben“ fehlen sollte, dann ist dies gar nicht so abwegig. Die Geschichte handelt über den klinischen Tod, welcher sich bei einer mir sehr bekannten Person zugetragen hat. Es gibt so einige Geschichten, die ich hierfür noch verwendet habe von Personen, die solche Erfahrungen gemacht haben, etwas aus der Reinkarnation als auch etwas Fantasy. Das meiste bezieht sich auf eine bestimmte Hauptfigur, die auf der dunklen Seite als auch der hellen Seite zu gegen ist. Wodurch sich in den jeweiligen Seiten dann auch Optionen für diese Person ergeben etc….Mehr verrate ich nun nicht.
Meist Du, dass ein solches Konzeptalbum in der Formation als Projekt auch „on stage“ umsetzbar wäre? Gibt es etwa schon Planungen bzgl. einer Tour?
Ich denke, dass irgendwann durchaus so etwas umgesetzt werden könnte, aber bestimmt nicht nach erst diesem einem Album. L.S. ist zunächst ein reines Studioprojekt und ich möchte auch nicht in die Zeitplanung von Riverside querschießen oder wie auch immer. Wobei wir uns gerade zusammengerauft haben und neue Ideen verwirklichen.
Das ist das Stichwort. Natürlich muss ich fragen was nun bei Riverside so los ist und ob uns mal wieder eine Trilogie erwartet?
Eine Trilogie reicht zunächst, denke ich:-). Wir arbeiten derzeit fleißig am neuen Material. Das Album wird den Titel „Anno Domini High Definition“ tragen und wie es scheint, wird es die energiereichste Platte von uns sein. Es wird reichlich Feuer geben, auch daher habe ich ja L.S. gegründet, um mich nun den feurigen Tracks zu widmen. Das Studio werden wir im Januar entern und für Mai, Juni 09 ist die Premiere geplant. Bei der „Reality Dream Tour” im Dezember wird man vielleicht einige neue Tracks zu hören bekommen, wir laden hierzu herzlich ein.
Zum Schluss mal keine Standardfrage, sondern: Meinst Du kannst schon jetzt etwas dazu sagen, ob ein zweites Album von L.S. erscheinen wird und was uns da erwarten könnte, vorsichtig ausgedrückt?
Alles von einem neuen Cover abhängig:-). Schwarz ist das Debüt, es ist Zeit für was anderes. Ich denke, dass es eine Weiterentwicklung des Sounds sein wird. Bestimmt wird es weitere, neue Arrangements und eigenartige Instrumente geben, neue Gastmusiker, aber auf jeden Fall werden es gute Songs sein – eben im spezifisch „lunatischen“ Sound. Obwohl, vielleicht drehe ich es doch wieder ganz anders – was bei mir nicht ausgeschlossen wäre.
Herzlichen Dank für die coolen Infos, viel Erfolg.
Homepage:
http://www.lunaticsoul.com
& http://www.myspace.com/lunaticsoulband
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